Akute Bronchitis bei Erwachsenen

Empfehlungen einer internationalen Expertenkommission

Einführung

Die akute Bronchitis ist eine Erkrankung mit Allgemeinsymptomen und respiratorischen Beschwerden unterschiedlicher Intensität, mit Husten als Leitsymptom. Sie geht mit akut entzündlicher Irritation der Bronchialschleimhaut einher, meistens viral assoziiert, seltener bakteriell.

Bei akuter Bronchitis ohne vorbestehende chronische Lungenerkrankung gibt es in der Regel keine Indikation für eine antimikrobielle Therapie (1, 2). In Leitlinien werden Strategien zur Vermeidung von unnötigen Verordnungen antimikrobieller Therapien bereits empfohlen und auf vorbehaltliches Verordnen und eine partizipative Entscheidungsfindung zwischen Patient und Arzt verwiesen (2).

Aus Sicht der Anthroposophischen Medizin ist die akute Bronchitis eine Erkrankung, die sich in der Atmungsorganisation als Teil des Rhythmischen Systems manifestiert, ohne dort ihre eigentliche Ursache zu haben. Primär liegt ein Ungleichgewicht mit Dominanz des Nerven-Sinnessystems und geschwächtem Atmungssystem vor (3).

Basierend auf diesem Krankheitsverständnis ergeben sich die unten stehenden Therapieempfehlungen.

Symptome der akuten Bronchitis

Leitsymptom der akuten Bronchitis ist Husten.
Weitere Symptome sind variabel und können umfassen:

  • Auswurf
  • allgemeines Krankheitsgefühl (Abgeschlagenheit)
  • subfebrile oder febrile Temperaturen
  • Erkältung („Common Cold-Syndrom“)
  • Gliederschmerzen, Myalgien

Wichtig ist es, zwischen der akuten und der chronischen sowie der chronisch-obstruktiven Bronchitis zu unterscheiden. Von einer chronischen Bronchitis spricht man, wenn die Symptome Husten und Auswurf über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Jahren auftreten (4). Bei einer chronisch obstruktiven Bronchitis (COPD) liegt zusätzlich eine anhaltende und fixierte Atemwegsenge (Obstruktion) vor, die auch durch Medikamente nicht oder nur teilweise auflösbar ist (5).

Die Symptome einer akuten Bronchitis können denen einer Lungenentzündung sehr ähnlich sein. Bei folgenden Symptomen sollte daher eine ärztliche Abklärung erfolgen – ggf. Röntgenbild und klinische sowie ggf. laboranalytische Diagnostik:

  • Atemnot (Dyspnoe)
  • erhöhte Atemfrequenz (Tachypnoe)
  • anhaltendes/steigendes Fieber
  • Schüttelfrost
  • Bluthusten (Hämoptyse, Hämoptoe)
  • hustenunabhängiger Brustschmerz
  • Kreislaufschwäche, Bewusstseinstrübung
  • Veränderung oder Zunahme der Krankheitssymptome

Behandlungsprinzipien einer integrativen Therapie

Die akute Bronchitis kann durch folgende Therapieprinzipien behandelt werden:

Wärme: Unterstützung und Ausgleich der Körperwärme durch warme Getränke, wärmende äußere Anwendungen, entsprechende Kleidung und Vermeidung von Klimaanlagen. Besondere Aufmerksamkeit gilt kühleren Körperregionen. Fieber nicht unterdrücken, Antipyretika meiden.

Atmung: Beruhigung des Hustenreizes.

Flüssigkeit: Trinken warmer Flüssigkeiten in ausreichender Menge ist essenziell für die Funktion der Schleimhäute in den Atemwegen.

Ernährung: angepasst an das Allgemeinbefinden, z. B. sind bittere Substanzen geeignet, Süßigkeiten zu meiden.

Körperliche Schonung.

Psychosomatische Aspekte: ggf. Stressreduktion, Regulation der häufigen Reizüberflutung, z. B. durch digitale Medien.

Individuelle Aspekte: Nikotinkarenz, Medienreduktion, Lebensstilanpassung.

Krankschreibung
Eine Krankschreibung kann notwendig sein, um eine Ausheilung zu unterstützen.

Therapie

Wärme und äußere Anwendungen

Medikamentöse Therapie

Hustentherapeutika bei akuter Bronchitis

  • Plantago Hustensaft WALA (DE) bzw. Pulmonium Hustensaft WALA (CH), 3 – 5 x tgl. 1 TL
  • Hustenelixier WELEDA, 3 – 5 x tgl. 1 TL
  • Ipecacuanha D2 Dilution oder Pulsatilla vulgaris D3 Dilution WELEDA, 3 – 5 x tgl. 1 TL ; bei trockenem Reizhusten, Würgereiz, nachts, antimikrobiell
  • Sambucus/Teucrium comp. Dilution WELEDA, 3 x tgl. 15 Tr.
  • Verbascum comp. Dilution WELEDA, 3 x tgl. 15 Tr. ; bei trockenem, unstillbarem Husten
  • Petasites comp. Globuli velati WALA, 3 – 4 x tgl. 10 Glob .; bei allen Hustenarten

Husten mit zusätzlichen Symptomen

  • Anis-Pyrit Tabletten WELEDA, 4 x tgl. 2 Tbl .; bei zusätzlicher Heiserkeit
  • Archangelica comp. Globuli velati WALA, 4 x tgl. 10 Glob .; bei zusätzlichen Halsschmerzen
  • Pyrit/Zinnober Tabletten WELEDA, 3 – 4 x tgl. 2 Tbl. ; bei katarrhalischen Symptomen
  • Bronchi Plantago Globuli velati oder Ampullen WALA , 3 – 4 x tgl. 10 Glob. oder 1 – 2 x tgl. 1 Amp. s.c.; bei Tracheobronchitis und/oder zusätzlich Mucus plugging

Zusammensetzung der genannten Arzneimittel: Plantago Bronchialbalsam: D-Campher, Cera flava, Drosera e planta tota D3, Eucalypti aetheroleum, Petasites hybridus e radice D1, Plantago lanceolata e foliis D1, Terebinthina laricina, Thymi aetheroleum. Plantago/Pulmonium Hustensaft: Petasites hybridus e radice D3; Picea abies, Summitates; Plantago lanceolata, Folium. Hustenelixier: Althaeae, Radix; Solanum dulcamara, Stipites; Marrubium vulgare, Herba; Anisi, Fructus; Serpylli, Herba; Thymi, Herba; Drosera D2; Extractum Malti; Ipecacuanha Ø (= D1); Pulsatilla vulgaris D3. Sambucus/Teucrium comp. Dil.: Berberis, Fructus D6, Phosphorus D6, Sambucus nigra D3, Teucrium scorodonia D4. Verbascum comp. Dil.: Cetraria islandica Ø; Achillea millefolium, Flos Ø; Pimpinella anisum Ø; Verbascum densiflorum, Fructus D2. Petasites comp. Glob.: Abies alba e summitatibus D2, Petasites hybridus e radice D2, Plantago lanceolata e foliis D2. Anis-Pyrit Tbl.: Anis-Pyrit D2 aus Pimpinella anisum, Fructus und Pyrit. Archangelica comp. Glob.: Angelica archangelica e radice D2, Argentum nitricum D14, Hyoscyamus niger ex herba D3, Pyrit D2, Salvia officinalis e foliis Ø. Pyrit/Zinnober Tbl.: Pyrit D2, Zinnober D20. Bronchi Plantago Amp./Glob.: Bronchi bovis Gl D16, Bryonia cretica D7, Eupatorium cannabinum ex herba D7, Larynx bovis Gl D16, Plantago lanceolata e foliis D5, Pyrit D14, Tunica mucosa nasi bovis Gl D13.

Phytotherapeutika

  • Soledum® Kapseln Casella-med , 3 x tgl. 2 Kps.; mukolytisch und antiobstruktiv (mit Cineol)
  • GeloMyrtol® forte Kapseln Bohl-Borkamp , 3 x tgl. 1 Kps.; bei zusätzlich Sinusitis (mit Eukalyptusöl, Süßorangen-, Myrten- und Zitronenöl)
  • Bronchicum® Kapsel Cassella-med ( DE) oder Bronchipret® Tabletten (CH), 3 x tgl. 1 Kps./Tbl. (mit Schlüsselblume, Thymian)

Allopathische Hustenblockade

  • Codeinhaltige Antitussiva , z. B. Paracodin® Teofarma S.r.l. , 1 x tgl. 20 Tr.; in Ausnahmefällen, z. B. zum Erhalt der Nachtruhe oder situativ. Nicht als Dauermedikation einsetzen!

Therapeutika bei Allgemeinsymptomen (deutliches Krankheitsgefühl/Fieber)

  • Infludo® Tropfen WELEDA , 3 – 4 x tgl. 10 – 15 Tr. (Erwachsene)
  • Infludoron® Globuli WELEDA , 3 – 4 x tgl. 5 – 10 Glob. (Kinder und Erwachsene); das Präparat ist ähnlich zusammengesetzt wie Infludo® (siehe unten), jedoch enthält es Ferrum phosphoricum D6 statt Phosphorus D4, weswegen es auch für Kinder geeignet ist.
    Synonym: Ferrum phosphoricum comp. Globuli WELEDA (CH)

Zusätzlich: Akute Bronchitis mit spastischer Komponente

  • Cuprum aceticum D3 oder D4 Dilution, Ampulle WELEDA , 3 x 15 Tr. oder 1 Amp. s.c. abends bzw. zur Nacht
  • Cuprum aceticum comp. Ampulle WALA , 1 Amp. s.c. abends bzw. zur Nacht

Zusätzlich: Ältere Patienten, auch kardiale Mitbehandlung

  • Crataegus ethanol. Digestio Dilution 33 % WELEDA oder
    Crataegus Kautabletten WELEDA CH , 3 x tgl. 15 Tr. oder 3 x tgl. 1 Tbl.; zur Unterstützung von Herz und Zirkulation, aber auch der Lunge (Dyskrinie)
  • Cardiodoron® WELEDA , 3 x tgl. 15 Tr. (beachte: kontraindiziert bei Glaukom)

Zusammensetzung der genannten Arzneimittel: Infludo® Dil.: Aconitum napellus D3, Bryonia D2, Eucalyptus D2, Eupatorium perfoliatum D2, Phosphorus D4, Sabadilla D3. Infludoron® Glob.: Aconitum napellus D1, Bryonia D1, Eucalyptus Ø, Eupatorium perfoliatum D1, Ferrum phosphoricum D6, Sabadilla Ø. Cuprum aceticum comp. Amp.: Cuprum aceticum D5, Nicotiana tabacum e foliis D9, Renes Bovis Gl D5. Cardiodoron® Dil.: Onopordum acanthium, Flos; Primula veris, Flos; jeweils hergestellt mit 1 % Hyoscyamus niger, Herba Ø.

Zusätzlich: Inhalation oder Tees

  • Kochsalz-Inhalation (NaCl 0,9%) 2 ml über Ultraschall-Vernebler, ggf. mit Cuprum aceticum D4 1 Amp. à 1 ml; bei leichter obstruktiver Bronchitis
  • Dampf-Inhalation mit Kamillenblüten oder Thymiantee
  • Dosieraerosole oder inhalative Therapie mit ß2-Mimetika: Salbutamol-Fertiginhalat über Ultraschall-Vernebler; bei mittelschwerer oder schwerer obstruktiver Bronchitis
  • Trinken von warmen Tees: z. B. mit Thymian, Holunderblüten, Lindenblüten, Salbei (ggf. mit Honig und Zitrone)

Bronchitis vom Gesichtspunkt der Anthroposophischen Medizin

Physiologie

Die Atmungsorganisation ist ein Teil des Rhythmischen Systems. Dieses vermittelt zwischen den polaren Systemen des Nerven-Sinnessystems und des Stoffwechsel-Gliedmaßensystems im Menschen. Die physiologischen Prozesse der Atmung stehen im Zusammenhang mit den seelischen Prozessen des Menschen. Eine gesunde Atmung kann als Ausdruck des ausgeglichenen seelischen Schwingungsvermögens des Menschen gesehen werden. Die Atmungsorganisation differenziert sich in obere, mittlere und untere Atemwege. Die Bronchien nehmen eine Mittelstellung ein und dienen in dieser Sicht besonders den rhythmischen Prozessen der Atmung. Die unteren Atemwege hingegen haben eine intensivere Beziehung zu den Blut- und Stoffwechselprozessen, die oberen Atemwege zu den Nerven- und Sinnesfunktionen.

Pathophysiologie

Die akute Inflammation der Atemwege ist eine Reaktion auf das Ungleichgewicht der Kräfte zwischen Nerven-Sinnessystem und Stoffwechsel-Gliedmaßensystem. Durch ein zu starkes Einwirken der Nerven-Sinnessystem-Prozesse in die Atmungsorganisation entsteht eine entzündliche Antwort. Primär geht damit die Störung vom Nerven-Sinnessystem aus, welche die Atmungsorganisation schwächt (3).

Prävention

Um die Kräfte der Atmungsorganisation zu stärken, gibt es verschiedene allgemeine Verhaltensempfehlungen und therapeutische Möglichkeiten. Dazu gehören:

  • Gesunde Ernährung
  • Nikotinkarenz
  • Regelmäßige Bewegung (in der Natur)
  • Regulierung des Wärmehaushalts
  • Vermeidung von Dysstress
  • Rhythmische Tagesstruktur
  • Heileurythmie oder Kunsttherapien
  • Therapeutische Sprachgestaltung

1 Albert RH. Diagnosis and treatment of acute bronchitis. American Family Physician 2010;82(11):1345-1350.

2 Höffken G, Lorenz J, Kern W, Welte T, Bauer T, Dalhoff K, Dietrich E, Ewig S, Gastmeier P, Grabein B, Halle E, Kolditz M, Marre R, Sitter H (Hrsg.). S3-Leitlinien zu Epidemiologie, Diagnostik, antimikrobieller Therapie und Management von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbenen tiefen Atemwegsinfektionen. Kurzfassung. 2. Aufl. Stuttgart: Thieme Verlag KG; 2009.

3 Steiner R. Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie. GA 313. 5. Aufl. Dornach: Rudolf Steiner Verlag 2001; S. 149.

4 Practical Approach to Lung Health: Manual on Initiating PAL Implementation. Geneva: World Health Organization (WHO); 2008, p. 33.

5 Global initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD). Global Strategy for the Diagnosis, Management, and prevention of Chronic Obstructive Pulmonary Disease. GOLD Report 2019.   Verfügbar unter https://goldcopd.org/wp-content/uploads/2018/11/GOLD-2019-POCKET-GUIDE-FINAL_WMS.pdf (25.07.2019)