Psychotraumatherapie und ihre Erweiterung durch die Anthroposophie

Alejandra Mancini
Artikel-ID: DMS-20818-DE
DOI: https://doi.org/10.14271/DMS-20818-DE

Der folgende Artikel leitet mit Reflexionen zum Trauma-Begriff, zu Kausalität und Zeitkategorien vor dem Hintergrund anthroposophischen Denkens in das Thema ein. Daran schließt sich die Betrachtung verschiedener traumarelevanter Aspekte an. Auch erkenntnistheoretische Gesichtspunkte werden diskutiert und anhand des Emergenz-Begriffs ein mehrgliedriges Menschenbild begründet. Die zentrale Bedeutung von Beziehung als seelisch-geistiger Wirkfaktor wird thematisiert. Auf diesem Hintergrund werden anhand von Steiners funktioneller Dreigliederung des menschlichen Organismus Gesichtspunkte für die Psychotraumatherapie entwickelt. Ziel einer solchen ist es, den Patienten zur Ich-Wirksamkeit anzuregen: durch ein Tätigwerden, die Aktivierung seines Willens im Denken und Fühlen, beim Bewegen, Fokussieren seines Bewusstseins und im empfindenden Erleben.

Psychotrauma therapy put on a broader basis with anthroposophy

The subject is introduced by reflections on the concept of trauma, on the causality and time categories against the background of the anthroposophic view. Different trauma-relevant aspects are then considered. Epistemological factors are discussed and the concept of emergence helps to create the basis for a multifaceted image of man. The central significance of relationship as a factor influencing soul and spirit is considered. Points of view for psychotrauma therapy are developed against this background and in the light of Steiner’s functional threefoldness of the human organism. The aim of psychotrauma therapy is to encourage the patient to let the I take effect: through activity, the activation of the will part in his thinking and feeling, in his movement, focusing the mind and sentient experience.

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