Menschenbild und Krankheitsverständnis in der Anthroposophischen Medizin

Einführung

[Dieser Artikel ist der folgenden Publikation entnommen: Girke M, Matthiessen PF. Medizin und Menschenbild. 2., erweit. Aufl. Bad Homburg: VAS-Verlag; 2015.]

Leitgedanken

Bewertungen und therapeutische Maßnahmen in der ärztlichen und therapeutischen Praxis sind durch Wertekonzeptionen und Grundannahmen des Menschenbildes bestimmt. Der betagte Patient auf der Intensivstation fordert uns in der therapeutischen Entscheidungsfindung heraus, der Krebserkrankte steht vor Entscheidungen hinsichtlich der oft begrenzten Wirksamkeit der ihm vorgeschlagenen Systemtherapie. Die therapeutisch relevanten Fragen beziehen sich nicht nur auf das „Wirksame“ und potenziell „Machbare“, sondern auf das für den Patienten Nutzenbringende, also von ihm als „gut“ Eingeschätzte. Erst vor dem Hintergrund einer positiven Nutzenbewertung des Patienten werden die drei Säulen der evidenzbasierten Medizin David Sackets, nämlich externe Evidenz, individuelle Expertise und Patientenpräferenz vollständig. Grundkonzeptionen von Krankheit und Gesundung, aber auch die Qualitäten der Patienten-Arzt-Beziehung und ethische Entscheidungsfindungen sind von dem jeweiligen Menschenbild abhängig und werden von ihm gewichtet und bestimmt.

Anthroposophische Medizin

Die Anthroposophische Medizin ist von Rudolf Steiner (1861–1925) und Ita Wegman (1876–1943) am Beginn des 20. Jahrhunderts als integrative Medizin begründet worden. Sie wird in Praxen, Therapeutika und den anthroposophischen Kliniken umgesetzt. Ihr Anliegen ist es, den Menschen als leibliches, seelisches und geistiges Wesen zu begreifen und dementsprechend Diagnostik und Therapie an einem umfassenden Menschenverständnis zu orientieren. Dabei liegt medizinischen Systemen mehr oder weniger reflektiert ein Menschenbild zugrunde. Auch die sogenannte Schulmedizin ist keineswegs voraussetzungslos, sondern impliziert ein Menschenbild, das für ihre Methodologie, für ihr Verständnis von Krankheit und Heilung bestimmend ist. Im historischen Kontext eines Du Bois-Reymond handelt es sich um ein reduktionistisches Menschenbild, das eine seelische und geistige Ebene des Menschen ausschließt: „… wir haben uns verschworen, die Wahrheit geltend zu machen, dass im Organismus keine anderen Kräfte wirksam sind, als die gemeinen physikalisch-chemischen …“ (1).

Mit der auf die sinnenfällige Beobachtung gestützten kausalanalytischen Erkenntnismethodik ist der Mensch nur in den hierdurch zugänglichen Ebenen beschreibbar. Sein Wesen ist durch keine dieser analysierenden Verfahren erkennbar. Die noch so detaillierte Zergliederung seines Leibes führt nicht zu seiner seelischen und geistigen Dimension. Es entsteht dadurch eine Medizin, die in ihren Vorgehensweisen das Wesen des Patienten nicht umfasst, ja sogar verliert. Carl Friedrich von Weizsäcker benutzt in einem verwandten Zusammenhang die Bezeichnung einer „kulturellen Blickbeschränkung“, die diesen Sichtweisen zugrunde liegt und auf die Notwendigkeit einer Erweiterung weist (2): „Die Naturwissenschaft ist heute außerstande, etwas dazu zu sagen, und zwar, wie ich meinen möchte, nicht aus prinzipieller Unmöglichkeit, aber wegen ihrer kulturgebundenen Blickbeschränkung. Sie arbeitet ausschließlich in objektiver Einstellung, d. h. sie beschreibt Objekte, wie sie menschlichen Subjekten erscheinen, aber sie reflektiert nicht auf die Subjektivität der Subjekte“. Als Erweiterung der Heilkunst ist die Anthroposophische Medizin von Rudolf Steiner im Zusammenwirken mit Ita Wegman begründet und vor das umfassende Menschenverständnis der Anthroposophie gestellt worden.

Die Medizin ist aufgefordert, einen angemessenen methodologischen Zugang zu dem leiblichen, seelischen und geistigen Wesen des Menschen zu finden. Die Fragen nach einem Menschenbild beantworten sich nicht durch auswechselbare Modellvorstellungen, die Teilbereiche einer komplexen Phänomenologie abbilden. Vielmehr wird eine Methodologie der Erkenntnisgewinnung eingefordert, die dem jeweiligen Seinsbereich des Menschen entspricht und sein komplexes Wesen nicht auf die kausal-analytisch beschreibbare Ebene reduziert. In mancher Beziehung gleicht die gegenwärtige Sichtweise der Medizin einem Konzertbesucher, der die „somatische Dimension“ durch Registrierung von Vibrationen der einzelnen Instrumente und ihrer jeweiligen „Anatomie“ beschreibt, und dadurch niemals die eigentliche musikalische Aussage und immaterielle Wirklichkeit der Musik entdeckt. Es ist eine Erweiterung des Menschenverständnisses erforderlich. In diesem Sinne haben Rudolf Steiner und Ita Wegman Anfang des 20. Jahrhunderts die Anthroposophische Medizin konzipiert. Diese ist demzufolge keine  „Alternativmedizin“, und auch der Terminus „besondere Therapierichtung“ wird ihr nur unzureichend gerecht. Sie versteht sich als eine Methodologie, die über die somatische Dimension hinausweisend den lebendigen, seelischen und geistigen Seinsbereich einschließt.

Fragen des Patienten

In der Patienten-Arzt-Beziehung lassen sich vier verschiedene Kategorien von Patientenfragen und Erwartungshorizonten unterscheiden, die ein erweitertes Menschenverständnis einfordern (3, S. 1128–1132). Diese werden in unterschiedlicher Gewichtung gestellt oder oft nur implizit ausgedrückt.

„Was habe ich?“

Ein erster Fragenkomplex bezieht sich auf die Ebene der medizinischen Befunde. Wird ein Gallensteinleiden diagnostiziert, so konzentriert sich die befundorientierte Fragestellung auf die möglichen therapeutischen Verfahren, die geeignet sind, diesen Befund zu korrigieren. Ähnliche Fragestellungen ergeben sich beispielsweise im Zusammenhang mit der Koronaren Herzerkrankung und einer ggf. erforderlichen Angioplastie des verengten Gefäßes. Aus der Kenntnis der Befunde leitet sich der therapeutische Interventionsbedarf ab. Diese Betrachtungsart lässt die Erkrankung und ihre Befunde als etwas dem Patienten „Äußerliches“ erscheinen, das der symptomatischen Therapie bedarf. Diese wird patientenseitig oftmals als „Auftragsleistung“ an die medizinische Profession verstanden. Das erkrankte Hüftgelenk ist endoprothetisch zu versorgen, der Blutzucker normwertnah einzustellen. Der eigene Beitrag zum Gesunden steht auf dieser Ebene noch im Hintergrund.

„Was lässt mich gesunden?“

Neben diesen befundorientierten Fragestellungen beziehen sich weitere auf den Prozess des Erkrankens und Gesundens. Beispielsweise bemerkt der rheumaerkrankte Patient bald, wie die Kortikoidgabe oder auch die Einleitung einer Basistherapie eine eindrückliche Symptomverbesserung bringen, ohne allerdings den zugrunde liegenden Krankheitsprozess seiner Qualität nach zu beeinflussen. So führt das Absetzen der entsprechenden Medikation in der Regel zur erneuten Krankheitsmanifestation. Die prozessorientierten Patientenfragen beziehen sich nun auf therapeutische Möglichkeiten, die das „Gesunden“ unterstützen. Ihnen liegt häufig die Suche nach einer Medizin zugrunde, die ein salutogenetisches Behandlungskonzept verfolgt. Gesundheit erscheint vor diesem Hintergrund nicht als das Gegenteil von Krankheit. Vielmehr ergibt sie sich durch die Wirksamkeit „gesundender Kräfte“ im Organismus, die sich den krankheitserzeugenden (pathogenetischen) gegenüberstellen. In diesem Sinne begreift sich die Entzündung, die im Zusammenhang mit einem eingezogenen Splitter als Reaktion des Organismus auftritt, trotz ihrer Schmerzhaftigkeit und Beeinträchtigung des Befindens als gesundende Reaktion, die darauf angelegt ist, die Integrität des Organismus wiederherzustellen. Gesundheit erscheint als eine mittlere Qualität im Spannungsfeld von pathogenetisch und salutogenetisch wirkenden Faktoren. Das in der Bevölkerung so breit vorhandene Interesse an einer integrativen, komplementären oder alternativen Medizin entsteht nicht durch die undifferenzierte Sympathie mit allem „Natürlichen“, sondern ist durch diese Frage nach den salutogenetischen Therapiemöglichkeiten begründet: Die gegenwärtige Medizin wird als „Interventions-Medizin“ erlebt, die medikamentös oder apparativ-interventionell pathophysiologisch relevante Parameter beeinflusst und normiert, ohne die salutogenetisch wirksamen Ressourcen des Patienten therapeutisch zu unterstützen. So segensreich sich die Interventionsmöglichkeiten der Medizin auswirken, so eindeutig beziehen sie sich lediglich auf die befundorientierte Ebene der Patientenfragen und hinterlassen eine „weiße Landkarte“ für den salutogenetischen Therapiebedarf.

Welche Beziehung besteht zwischen der Erkrankung und dem seelischen Wesen?

Eine dritte Kategorie von Patientenfragen bezieht sich auf die seelische Dimension, ist demzufolge nicht mehr am Befund, sondern am Befinden des Patienten orientiert. Patienten fragen nach der Beziehung ihres seelischen Erlebens zum Krankheitsprozess. Der Neurodermitis-Kranke erlebt eindrücklich die Veränderung seines Hautbefundes in Abhängigkeit von der in unterschiedlichem Grade stressbeladenen Lebensweise. Die Haut erscheint einmal mehr auch in ihrer Erkrankung als der Spiegel der Seele. Die klinisch bedeutsamen Wechselwirkungen zwischen der seelischen Ebene und den kardiovaskulären Erkrankungen sind inzwischen gut dokumentiert und haben relevante Konsequenzen für die Therapie. In entsprechenden Patientenfragen wird das Einbeziehen dieser seelischen Ebene in den Behandlungsprozess eingefordert.

„Warum ich?“  Biographischer Kontext und Sinnfindung in der Erkrankung

Schließlich weist eine vierte Ebene auf die Sinnhaftigkeit der Erkrankung. Ein Leiden ohne Sinnsetzung oder Sinnfindung ist ohne Perspektive und nicht zu ertragen. Der in der palliativen Patientenbetreuung ausgesprochene Wunsch nach aktiver Sterbehilfe hat weniger seine Ursachen in einer nicht beeinflussbaren klinischen Symptomatik, sondern in dem empfundenen Sinnverlust. Sobald keine Perspektive erkennbar ist, entsteht der Sterbewunsch. Der mit 42 Jahren an einer Tuberkulose gestorbene Christian Morgenstern hat diese Fragestellung in die folgenden Worte gefasst:

„Jede Krankheit hat ihren besonderen Sinn; denn jede Krankheit ist eine Reinigung: man muss nur herausbekommen, wovon und wozu. – Es gibt darüber annähernd sichere Aufschlüsse; aber die Menschen ziehen es vor, über hunderte und tausende fremder Angelegenheiten zu lesen und zu denken, statt über ihre eigenen. Sie wollen die tiefen Hieroglyphen ihrer Krankheit nicht lesen lernen, sie interessieren sich … noch weit mehr für das Spielzeug des Lebens als für seinen Ernst, als für ihren Ernst. – Hierin liegt die wahre Unheilbarkeit ihrer Krankheiten, im Mangel an und im Widerwillen gegen Erkenntnis, hierin, nicht im Bakteriologischen.“ (4, S. 210)

Bei der Frage nach dem Sinn einer Erkrankung, die nicht nur den jungen Krebspatienten existenziell beschäftigt und oftmals der geistige Hintergrund für seelische Sorgen, Hoffnungslosigkeit und Depression ist, geht es nicht nur um Sinnfindung, sondern auch Sinnsetzung. Patienten entdecken manchmal die neuen Entwicklungen in den menschlichen Beziehungen, verfügen über andere Kompetenzen und Fähigkeiten, neue – auch spirituelle – Erfahrungen und Perspektiven. In der palliativen und hospizlichen Patientenbetreuung werden wir oftmals überrascht von neuen Inhalten, Werten und Zielen des Patienten, die in dieser fortgeschrittenen Erkrankungsphase Bedeutung bekommen und einen vorher nicht vermuteten Sinn erkennen und auch entstehen lassen.

Wird die Krankheit nicht als „Fehlfunktion“, sondern mit der individuellen Entwicklung zusammenhängend erfahren, ergeben sich zahlreiche Fragen nach dem biographischen Kontext. Die Biographie erscheint nicht als akzidentelle Sammlung einzelner Lebensereignisse und Erkrankungen, sondern bekommt eine kompositorische Gestalt. In diese Zeitgestalt des Lebens fügen sich auch die Erkrankungen ein. So ist die symmetrische Verteilung zahlreicher Erkrankungen bekannt wie die Rachitis des Kindes und die Osteoporose des älteren Menschen, das Asthma des Jugendlichen und die COPD des alten Patienten, der Diabetes mellitus Typ 1 in der Jugend und der Typ 2 des Erwachsenen. In der Kindheit als Zeit des seelisch geistigen „Ankommens im Leben“ überwiegen die entzündlichen, im Alter als Zeit des sich wiederum „Lösens“ die degenerativen und Skleroseerkrankungen. Aus diesen kompositorischen Zusammenhängen der Biographie entstehen weitere Fragen: Welche Bedeutung haben die entzündlichen Erkrankungen für die spätere Zeit des Lebens? Können fieberhafte Erkrankungen der Sklerose des Alters vorbeugen und sind sie demzufolge nicht nur suppressiv, sondern im Sinne des Ausheilens zu behandeln?

Damit ergeben sich die nachstehend aufgeführten vier Erwartungshorizonte, welche die Patienten-Arzt-Beziehung bestimmen (3, S. 1128–1132):

  • befundorientierter Erwartungshorizont (I)
  • prozessorientierter Erwartungshorizont (II)
  • am Befinden orientierter Erwartungshorizont (III)
  • kontextuell-biographischer Erwartungshorizont (IV)

Leitlinien einer integrativen Medizin

Diese vier Erwartungshorizonte des Patienten stehen mit dem Menschenverständnis der Anthroposophischen Medizin in Zusammenhang. Der Patient möchte in diesen verschiedenen Anliegen und Ebenen seines Wesens wahrgenommen und behandelt werden. So fragt er nach den notwendigen medikamentösen und instrumentell-interventionellen Maßnahmen, aber auch nach therapeutischen Ansätzen, um die gesundenden Ressourcen hygiogenetisch zu unterstützen. Darüber hinaus erwartet er die seelische Hilfestellung im Umgang mit der Erkrankung, also der Salutogenese und schließlich die Unterstützungen in der geistigen Entwicklung, der Autogenese. Im palliativmedizinischen Kontext und auch in der hospizlichen Arbeit wird von der „Selbstwerdung“ des Menschen gesprochen. Wir kennen nicht nur durch die grundlegenden Arbeiten von Aaron Antonowsky das salutogenetische Prinzip in der Medizin. Die zu unterstützenden, heilenden Prozesse lassen sich weiter differenzieren. So bezeichnet – nach Gunther Hildebrandt – „Hygiogenese“ das „organische Heilen“ z. B. einer Wunde oder einer Fraktur (5). Salutogenese schließt demgegenüber die seelische Auseinandersetzung mit der Erkrankung ein, also Fragen nach ihrem Sinn, der Verstehbarkeit und Handhabbarkeit. Schließlich führen nicht nur die schweren und chronischen Erkrankungen zu innerer Entwicklung und Reifung. So lassen sich bei der Behandlung des Patienten vier Ebenen in der Therapie unterscheiden:

  • I Intervention: Einstellung von Krankheitsparametern (z. B. Blutzucker, Blutdruck)
  • II Hygiogenese: Organisches Heilen
  • III Salutogenese: Seelische Reifung in der Auseinandersetzung mit Zweifeln am Sinn der Lebensphase, Ablehnung und Hass auf die bestehenden Gebrechen, Furcht vor bedrohlichen Symptomen und Verschlechterung der Krankheit
  • IV Autogenese: Geistige Entwicklung, Selbstwerdung

Damit werden die Grundzüge einer anthroposophisch-integrativen Medizin erkennbar. „Integrativ“ bedeutet in diesem Kontext nicht die Kombination aller möglichen „Best-Practice“-Verfahrensweisen, sondern die sinnhafte Komposition der Therapieverfahren vor dem Hintergrund eines leiblichen, seelischen und geistigen Menschenverständnisses. Aus dem additiven Ansatz therapeutischer Optionen entsteht der kompositorische, mit multimodalen Therapien, die sich in ihrer Indikation und Durchführung aus einem mehrdimensionalen Menschenbild ableiten.

Grundlinien des Menschenverständnisses der Anthroposophischen Medizin

Die vier Patientenfragen und ihre therapeutischen Konsequenzen stehen mit der Wesensgliederung des Menschen in Zusammenhang. Der Zugang zu diesen Wesensgliedern und damit der menschenkundlichen Grundlage der Anthroposophischen Medizin kennt unterschiedliche „Eindringtiefen“ und beginnt bei elementaren Betrachtungen.

Die eindrucksvolle Plastik „Der Buchleser“ von Barlach weist in ihrer gegenständlichen Dimension auf den physischen Körper des Menschen. Es ist ein Bereich, der durch Maß, Zahl und Gewicht beschreibbar ist und der im Unterschied zu anderen Bereichen des menschlichen Wesens der Räumlichkeit angehört. Allerdings weist bereits seine Gestalt über die sinnenfällige, materielle Ebene hinaus. Barlach hätte die Gesichtsform sowohl in Gips, Ton, Bronze und vielen anderen Materialien herstellen können. Form erscheint demzufolge als ein immaterielles Prinzip, das lediglich für seine Erscheinung der materiellen Substanzausfüllung bedarf. Der Pathologe Wilhelm Doerr hat auf den Organismus bezogen diesen Tatbestand in den folgenden Worten zusammengefasst:

„Der Organismus ist kausal unerklärbar, nicht weil er ein besonders verwickeltes chemisches Problem ist, ebenso wenig weil er etwas Metaphysisches wäre, sondern einfach darum, weil an und für sich der Organismus selber eine eigenartige Denkform, ein Urbegriff ist, welche weitere Auflösung weder zulässt noch bedingt. … Denn Ordnung ist weder Kraft, noch Energie, noch Stoff. Sie bedarf aber dieser, um sich zu manifestieren …“ (6)

Im lebenden Organismus kennen wir im Unterschied zu der leblosen Welt primär keine fertige, unabänderliche Form oder Gestalt. Vielmehr herrscht hier Formverwandlung. Bezieht man die embryonalen morphogenetischen, gestaltbildenden Prozesse mit ein, so ist die in ständigen Bildeprozessen befindliche Gestaltwerdung besonders eindrücklich. Goethe unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen Gestaltung als dem räumlich Gewordenen und der Bildung als den gestaltverändernden und -hervorbringenden Prozessen:

„… Betrachten wir aber alle Gestalten, besonders die organischen, so finden wir, dass nirgends ein Bestehendes, nirgends ein Ruhendes, ein Abgeschlossenes vorkommt, sondern dass vielmehr alles in einer steten Bewegung schwanke. Daher unsere Sprache das Wort Bildung sowohl von dem Hervorgebrachten als auch von dem Hervorgebrachtwerdenden gehörig genug zu brauchen pflegt. Wollen wir also eine Morphologie einleiten, so dürfen wir nicht von Gestalt sprechen, sondern, wenn wir das Wort brauchen, uns allenfalls dabei nur die Idee, den Begriff oder ein in der Erfahrung nur für den Augenblick Festgehaltenes denken. Das Gebildete wird zugleich wieder umgebildet, und wir haben uns, wenn wir einigermaßen zum lebendigen Anschauen der Natur gelangen wollen, selbst so beweglich und bildsam zu erhalten, nach dem Beispiele, mit dem sie uns vorgeht …“ (7)

Steiner entwickelt hinsichtlich der aufbauenden, in die Gestaltung führenden Prozesse des Organismus den Begriff der Bildekräfteorganisation. Dieser ist von einer vitalistischen oder neovitalistischen Lebenskraftdefinition zu unterscheiden. Es handelt sich gegenüber der Raumesdimension des physischen Körpers um die in der Zeit ablaufenden, gestaltbildenden Prozesse der Bildekräfteorganisation (Ätherleib).

In der Medizin muss wiederum eine differenzierte Anschauung vom „Leben“ als eigenständiger Qualität entwickelt werden: Leben ist mehr als die Summe einzelner Lebensprozesse und bedarf einer organismischen Integration. So ordnet sich das Wachstum der einzelnen Zelle in dasjenige ihres Gewebes, dieses wiederum ist abhängig von dem dazugehörigen Organ und dieses wiederum in seinem Wachstum vom Gesamtorganismus. Alle Lebensprozesse sind in dieser Hierarchisierung des Lebendigen auf den Gesamtorganismus orientiert.

Etwa 100 Jahre nach den Darstellungen Steiners, also in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts, spricht der US-amerikanische Neurologe Alan Shewmon von der Integration („integrative unity“) als immanenter Fähigkeit des Lebendigen. Im Rahmen seiner Publikationen zum sog. „chronischen Hirntod“ (8) macht er darauf aufmerksam, dass eben nicht das Gehirn diese Integration der Lebensprozesse leistet, sondern es sich – da diese auch beim hirntoten Patienten besteht, also nicht vom Nervensystem abhängig sein kann – um eine immanente Eigenschaft des Lebendigen handelt. Diese wirkt ständig dem entropischen Zerfall entgegen. Dem Verfall und Ordnungsverlust wird bei Lebewesen im Unterschied zu leblosen Dingen aktiv durch ein integratives Prinzip entgegengewirkt. Shewmon illustrierte es als eine „Blase von Anti-Entropie in einem Ozean der Entropie“ (9). Rudolf Steiner bezeichnet dieses Prinzip als „Ätherleib“, der ständig dem Verfall des physischen Leibes entgegenarbeitet (10). Diese Betrachtungen führen zu einer weiteren menschenkundlichen Perspektive in der Hirntodphilosophie, die eng mit dem Begriff des Ätherischen, also des Lebendigen verbunden ist als integrative, gestaltbildende und immanente Funktion des Lebens (11).

Das seelische Wesen des Menschen wird durch den Gesichtsausdruck des Menschen deutlich. In Mimik und Gestik verwirklicht sich ein sinnfälliges Bild seelischen Erlebens. Es ist eine unhörbare, wenngleich in jeder Menschenbegegnung deutlich vernehmbare Sprache der Seele, die sich in den Zügen und veränderlichen Ausdruckformen des menschlichen Antlitzes wiederfindet. Die körperliche Erscheinung des Menschen weist somit nicht nur auf ihren anatomischen Aspekt oder ihre zugrunde liegenden Bildeprozesse, sondern in jedem Augenblick auch auf die Offenbarung des Seelischen, das im Falle des „Buchlesers“ als kontemplativ nachdenkliche Seelenhaltung Bild geworden ist. Schließlich wird man im Erspüren des seelischen Wesens (astralische Organisation) auf ein intentionales Moment aufmerksam. Der Blick kann sich mehr nach innen wenden und den Augen einen gedankenverlorenen Ausdruck geben oder aktiv fokussierend dem anderen Menschen zuwenden. Wir bemerken dann die Geistesanwesenheit des anderen Menschen in der „Du-Evidenz“. Diese innere lenkende Instanz, die fähig ist, Gedanken zu lenken, Gefühle zu erleben und schließlich sich in Willensimpulsen zu verwirklichen, ist die Individualität oder Entelechie, das Ich des Menschen. Es weist sich einerseits durch Beständigkeit aus, indem es den wechselnden Alltagsereignissen und auch Befindlichkeiten des Körpers als Zentrum des menschlichen Wesens erlebend gegenübersteht, und auf der anderen Seite als entwicklungsbereit und -fähig, indem es als zukunftsoffenes, neue Fähigkeiten eroberndes Ich oder Persönlichkeit des Menschen erscheint.

Methodologische Grundlagen

Die vier Wesensglieder des Menschen erfordern eine jeweils eigenständige Methodologie. So kann eine kausal-analytische Methodik einfache Ursache-Wirkungszusammenhänge der physischen Welt beschreiben, umfasst allerdings bei weitem nicht die netzartigen Wechselbeziehungen und wechselseitigen Abhängigkeiten der Welt des Lebendigen und reicht schon gar nicht an die Ebene des Seelischen und Geistigen des Menschen. In der physischen Welt werden Wahrnehmungsinhalte mit Begriffen in der gegenständlichen Erkenntnis verbunden. In der Medizin fassen wir entsprechend eine Vielzahl von Beschwerden und Symptomen des Patienten in einer syndromalen Krankheitsbegrifflichkeit zusammen und kommen dadurch zur Diagnose. Diese gegenständliche Erkenntnis reicht allerdings nicht an die Ebene des Lebendigen. Das beschriebene immaterielle Prinzip, das sich in der Zeit verändert und zu Formverwandlungen führt, ist dem abgeschlossenen, „fertigen“ Gedanken nicht zugänglich. Vielmehr bedarf es hier methodologisch einer prozessualen Denkbewegung, die in ihrem Wesen dem Lebendigen entspricht. Gedanken beschreiben das Gewordene, welches bereits aus dem Prozess seines Werdens und Entstehens herausgefallen ist. Demgegenüber nähert sich die bewegliche Denktätigkeit dem Werdenden und damit der Welt des Lebendig-Ätherischen. Sie kann sich durch die meditative Arbeit zur imaginativen Erkenntnis verdichten (12).

Die Anthroposophische Medizin versteht sich also nicht als abgeschlossenes Lehrgebäude, das sich aus historischen Quellen ableitet, sondern als eine eigenständige Methodologie, die in Forschung und inhaltlicher Bestimmung entwicklungsfähig ist. In diesem Sinne handelt es sich nicht um ein traditionelles System, das nur noch seiner Evaluation bedarf, sondern setzt die individuelle Erkenntnisarbeit und Fähigkeitsentwicklung des therapeutisch Tätigen voraus.

Diese eigenständige Methodologie der Anthroposophischen Medizin wird nochmals deutlicher, wenn das seelische Wesen betrachtet wird. Die Mimik des Gesichts ist Ausdruck und Bild des seelischen Erlebens. Sie erscheint einerseits äußerlich an dem der Sinnesbeobachtung zugänglichen Gesicht des Menschen. Allerdings weist sie in ihrer Formensprache und zeitlichen Veränderung über das leibliche Sein des Menschen, das durch die anatomische und histologische Methode beschrieben werden kann, hinaus. Auch stehen die beobachtbaren mimischen Formveränderungen nicht im Zusammenhang mit den Formverwandlungen, die sich in der Entwicklung des Gesichtes aus der embryonalen Anlage über das Kindergesicht bis zu demjenigen des Erwachsenen ergeben und mit der Wirksamkeit der ätherischen Organisation in Zusammenhang stehen. Vielmehr weisen die mimischen und gestischen Ausdruckformen und ihre lebendigen Veränderungen auf das seelische Wesen des Menschen. Sie erscheinen wie eine „nonverbale Sprache“, die es zu „hören“ und zu verstehen gilt. In der Patienten-Arzt-Beziehung hat diese gestische Sprache eine große Bedeutung: Wie ist die Haltung des Patienten, seine Mimik, die Art seines Sprechens mit lauter oder leiser Stimme, expressiver oder zurückgehaltener Sprache? Die Erscheinungswelt wird also als „Sprache“ verstanden, die methodologisch ein „Lesen-Lernen“ erfordert. Ähnlich wie der Inhalt einer Schrift über diese hinausweist und keinesfalls mit der gewählten Sprache oder gar „Druckerschwärze“ identisch ist, so weisen das Wesen des Seelischen und damit die astralische Organisation des Menschen über die Erscheinungen des lebendigen und physischen Seins hinaus.

Bei dieser Erkenntnisstufe kommt es darauf an, das bildartige Erfassen zurückzustellen. Wir können nur dann dem anderen Menschen intensiv zuhören, wenn wir nicht durch die Wahrnehmung seiner Gestalt und seines Gesichtsausdruckes von dem Inhalt, den er uns darstellt, abgelenkt sind. Erst durch das „Auslöschen“ der äußeren Wahrnehmungsseite gelangt das Verständnis zur „inneren Welt“ des Patienten. Während wir im Alltäglichen uns vorwiegend der kausal-analytischen Erkenntnismethodik bedienen, entstehen in jedem gestaltartigen Erkennen die ersten keimhaften Anlagen für die imaginative Erkenntnis. Werden nun nicht diese gestaltartigen und bildhaften Zusammenhänge erfasst, sondern das in ihnen gesetzmäßig zum Ausdruck Kommende, so entwickeln sich die ersten Anlagen des inspirativen Erkennens (13).

Die Wesenserfassung des anderen Menschen und auch der Welt erfordert eine vierte, darüber hinausgehende Methodologie der Erkenntnis. Wenn wir einem Menschen zuhören, so entsteht für das gemeinsame Bewusstsein der geistige Gesprächsinhalt. Dieser ist selbstverständlich noch nicht identisch mit dem Wesen des anderen Menschen, der ihn uns durch seine innere Aktivität erst darstellt. Indem wir ihm auf seinen „Gedankenwegen“ folgen und damit die Aktivität seines Wesens durch diejenige der eigenen Persönlichkeit nachvollziehen, verbinden sich zwei intentionale Prozesse und verschmelzen miteinander. In dieser Situation macht es keinen Sinn, zwischen dem Zuhörenden und Sprechenden zu unterscheiden, beide Aktivitäten vereinigen sich in dem gemeinsam vollzogenen Gesprächsinhalt bzw. Gedankengang. Diese innere Erkenntnishaltung, die ein selbstloses, ganz von den eigenen Intentionen absehendes Sich-Einlassen auf die geistige Tätigkeit des anderen bedeutet, verbindet das eigene Wesen mit demjenigen des anderen Menschen. Auf die Naturerkenntnis bezogen verbindet sie das eigene Erkennen mit dem Wesen der Welt. Auch hier ist eine schrittweise Vertiefung möglich, die von den ersten Anlagen intuitiven Erkennens im alltäglichen Erkenntnisprozess zu der Stufe der intuitiven Erkenntnis und damit zum eigentlichen Wesen von Mensch und Welt führt (13).

Diese vier Stufen sind für die Patienten-Arzt-Beziehung wesentlich: Der kranke Mensch bemerkt auf eine sehr differenzierte Weise, wie er wahrgenommen wird. Der befundorientierte Blick verdeckt oftmals die Wahrnehmung von Wesen und Persönlichkeit des Patienten. Insofern entstehen Fragen nach der Eigenständigkeit eines seelischen und geistigen Wesens, also nach dem Menschenverständnis. Erkennt man im anderen Menschen eine eigenständige Entelechie, also geistige Individualität, die Träger von Autonomie und Würde ist, oder sieht man in den seelisch- geistigen Qualitäten lediglich ein Surrogat bzw. emergentes Phänomen der Neurophysiologie? Dem Arzt bleibt diese Erkenntnisarbeit zum Wesen des Menschen nicht erspart. Qualität und Tiefe der entsprechenden Arbeit haben unmittelbare Auswirkungen auf die tägliche Praxis. Diese ist eben von anderer Qualität, wenn der Mediziner im erkrankten Menschen einen behandlungsbedürftigen komplexen Mechanismus sieht oder ihn als leiblich-seelisch-geistiges Wesen begreift.

Vier Ebenen der Krankheit: Die Koronare Herzerkrankung

Aus dem beschriebenen Menschenverständnis entwickeln sich vier Aspekte des Krankheitsbegriffs. So wird die Koronare Herzerkrankung (KHK) mit ihrer typischen klinischen Symptomatik auf einen koronarmorphologischen Befund bezogen, der in einer Stenosierung von Koronargefäßen besteht. Es handelt sich dabei um den quantifizierbaren körperlichen Befund. Von diesem ist als zweite Ebene die zeitliche Dimension abzugrenzen. Jeder koronarmorphologische Befund ist Ergebnis eines verursachenden Krankheitsprozesses, der sich in der Zeit entwickelt und nicht durch den momentanen Krankheitsbefund beschrieben werden kann. Im Falle der KHK besteht dieser Krankheitsprozess v. a. in einer chronischen, zur Arteriosklerose führenden Entzündung. Dabei handelt es sich nicht um die akute fiebrig-durchwärmende Entzündung, sondern um den hierzu polaren, in die Sklerose führenden Krankheitsprozess der chronischen Entzündung. Für eine umfassende Beschreibung der Erkrankung ist nun die dritte, seelische Ebene einzubeziehen. Eine Vielzahl seelischer Einflussfaktoren ist für die KHK bekannt (14, 15, 16). Angst und Depressivität gehen genauso mit einer Risikoerhöhung einher wie soziale Isolation und biographische Perspektivlosigkeit. Therapeutische Verfahren, die sich schwerpunktmäßig nicht auf eine pharmakologische Intervention beziehen, sondern salutogene Ressourcen des Erkrankten mobilisieren, führen zu einer annähernd gleichen Wirksamkeit (17). In den therapeutischen „Strategien“ der KHK wird gegenwärtig sowohl auf der Angebotsseite wie auch hinsichtlich der Erstattung ein pathogenetisch orientierter Therapieansatz und nicht in vergleichbarem Ausmaß ein salutogenetischer favorisiert.

Die medikamentöse Therapie kann eine Regression der Erkrankung erreichen. Sie führt damit die Krankheit in ein vergangenes, der jetzigen Manifestation vorausgehendes Erkrankungsstadium zurück. Der pathogenetisch orientierte Therapieansatz ist unter diesem Aspekt „vergangenheitsorientiert“. Der salutogenetische Therapieansatz unterstützt zukunftsorientiert den Patienten in der Verwandlung des Lebensstils und der inneren seelisch-geistigen Konstitution und lässt ihn zum aktiven Mitgestalter im Gesundungsprozess werden. Die pathogenetisch orientierte Therapie fokussiert Einflussgrößen und Risikofaktoren also eine „causa externa“ (Virchow). Das salutogenetische Therapiekonzept setzt demgegenüber an denjenigen Kräften und Ressourcen des Menschen an, die als krankheitsüberwindende, heilende Kräfte gekennzeichnet werden können. „Das Heilen besteht eben darin, dass man dasjenige, was im Organismus als ursprüngliche Heilkraft schon vorhanden ist, durch äußere Mittel unterstützt.“ (18)

Die innere Aktivität schließlich, die zur Mitgestaltung am Gesundungsprozess aufgerufen werden kann, weist auf die Individualität, das geistige Wesen des Menschen. Wenn sich dessen Wirksamkeit nicht entfalten kann, also eine stressbeladene Lebensgestaltung und ein von äußeren Faktoren gestaltetes, rollenartiges Funktionieren an die Stelle einer durch die Persönlichkeit aktiv ergriffenen Lebensführung tritt, können sich Skleroseerkrankungen des Gefäßsystems entwickeln. Krankheit erscheint damit als eingeschränkte Zukunftsperspektive des Menschen, Heilung demgegenüber als Entwicklung einer neuen Zukunftsoffenheit. Zu einem umfassenden Verständnis der Krankheit gehört somit der Blick auf die Individualität des Erkrankten. Dieser empfindet sich durch diese vier Perspektiven in seinem gesamten Wesen wahrgenommen. Es entsteht eine vertiefte Qualität im Zusammenwirken von Patient und Arzt, die zu einer therapeutischen Beziehung entwickelt werden kann.

Therapeutische Konsequenzen: Die Krebserkrankung

Die charakterisierten vier Ebenen im Krankheitsverständnis begründen einen vierfachen therapeutischen Zugang. So verlangt das in der bildgebenden Diagnostik und nachfolgender Stanzbiopsie diagnostizierte Mammakarzinom auf der physischen Ebene die befundorientierte operative Intervention. Darüber hinaus stellt sich diese Manifestation eines Mammakarzinoms in die zeitliche Dimension des Krankheitsprozesses. Nimmt man eine Tumorgröße von 1 cm an, so ergibt sich bei einer modellartig vorausgesetzten durchschnittlichen Tumorverdoppelungszeit von 100 Tagen – die diesbezüglichen Grenzwerte werden mit 23 und 209 Tagen beschrieben (19) – eine Entwicklungszeit dieses Tumors von ca. 10 Jahren. Ein langer Abschnitt menschlicher Biographie mit vielen noch unbekannten Einflussfaktoren hat sich in den Organismus eingeschrieben. Eine besondere Bedeutung scheinen in diesem Zusammenhang die entzündlichen Erkrankungen zu haben. Seit ca. 100 Jahren wird verschiedentlich – so auch schon 1920 von Steiner (10) – auf die Gegenläufigkeit von Entzündung und Karzinom hingewiesen (20, 21, 22). Dabei ist der duale Charakter der Entzündung zu berücksichtigen: Während die akute febrile Entzündung vermutlich eine protektive Bedeutung hat, ist die chronische Entzündung als Risikofaktor für das Karzinom bekannt. Diesen Gedanken zugrunde gelegt, erscheinen die Erkrankungen des Patienten nicht als eine zufällige Reihe von korrekturbedürftigen „Fehlfunktionen“, sondern stehen in einem Zusammenhang untereinander und auch mit der Biographie des Menschen. Offenbar ist es nicht gleichgültig, ob und wie fieberhafte Erkrankungen insbesondere in der Kindheit und ersten Lebenshälfte durchgemacht werden. Maßnahmen der Infekt-„Bekämpfung“ müssen vor diesem Hintergrund nicht gleichermaßen die nachhaltig wirksamen therapeutischen Vorgehensweisen sein. Kienle hat vor diesem Hintergrund schon früh zwischen Wirkung im Sinne eines akut eintretenden Effektes und der längerfristigen Wirksamkeit unterschieden (23).

Die Gegenläufigkeit von Entzündung und maligner Erkrankung erschließt sich dem prozessualem Krankheitsverständnis: Das Karzinom als epitheliale Neoplasie entwickelt sich an Oberflächenstrukturen des Organismus, die sich oftmals als exokrine Drüsen z. B. der Mamma oder auch des Gastrointestinaltraktes in das Innere des Organismus einstülpen. Ausgehend von diesen oberflächlichen Strukturen dringt das Karzinom als maligne Infiltration mit Durchbrechung der Basalmembran, Infiltration in das umgebende Gewebe und schließlich lymphogener als auch hämatogener Metastasierung zentripetal nach innen. Die umgekehrte Krankheitsausrichtung findet sich bei der Entzündung: Der Entzündungsprozesses dringt zentrifugal nach außen, indem z. B. ein Fremdkörper „herauseitert“ und den Weg nach außen findet. Im Falle einer ungenügenden zentrifugalen Entzündungsaktivität kommt es zur Einkapselung im Sinne der Fremdkörperreaktion. Auch an diesem Beispiel prozessualer Krankheitsbetrachtung zeigt sich der Gegensatz von Entzündung und Karzinom. Dieser hat nun Konsequenzen für die Therapie: Steiner hat zur Behandlung onkologischer Erkrankungen Mistelgesamtextrakte in spezieller Zubereitung empfohlen. Therapeutisches Ziel ist dabei u. a. die Unterstützung der entzündungsverwandten, salutogenetischen Reaktion. Die zwischenzeitlich dokumentierten inflammatorischen, immunstimulierenden, aber auch immunmodulierenden Wirkungen der Mistel wie auch die Apoptoseinduktion und Hemmung der Neoangiogenese ordnen sich als Detailphänomene diesem Wirkungsspektrum ein. Das integrative Therapiekonzept der Anthroposophischen Medizin schließt multimodale Behandlungsoptionen wie die Strahlen- und Chemotherapie, antikörperbasierte Therapie und die Anwendung von Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) ein. In den anthroposophischen Kliniken wird ergänzend zur operativen und medikamentösen Therapie frühzeitig mit der Misteltherapie begonnen. Sie kann die Chemotherapie-assoziierten Nebenwirkungen und auch das Cancer-Fatigue-Syndrom positiv beeinflussen (24). Darüber hinaus konnte kürzlich in einer randomisierten kontrollierten Studie die Verbesserung des Gesamtüberlebens und zahlreicher Dimensionen der Lebensqualität gegenüber „best supportive care“ für das Pankreaskarzinom nachgewiesen werden (25).

Bei der Begleitung des krebserkrankten Patienten ist die seelische Ebene unerlässlich und als Psychoonkologie inzwischen weit verbreitet. Im seelischen Erleben des Patienten mischen sich reaktive Veränderungen infolge der Auseinandersetzung mit der Tumorerkrankung und vorbestehende, möglicherweise erkrankungsspezifische Besonderheiten. Die Bedeutung seelischer Faktoren für die Krebskrankheit wird seit langer Zeit immer wieder erwähnt und z. T. kontrovers diskutiert. Im 19. Jahrhundert fasste es der Londoner Chirurg Sir James Paget in die folgenden Worte: „Die Fälle, bei denen es nach tiefen Ängsten, unerfüllten Hoffnungen und großen Enttäuschungen zum Auftreten oder der Verschlimmerung einer Krebserkrankung kommt, sind so häufig, dass wir kaum Zweifel hegen können, dass die seelische Depression zu jenen Einflüssen gehört, die das Entstehen des Krebszustandes fördern.“ (26) Weitere Beobachtungen stammen von Lawrence LeShan. Von den zahlreichen nachfolgenden Arbeiten sei diejenige von Brenda et al. (27) herausgehoben, die bei prospektivem Studiendesign eine erhöhte Inzidenz von Krebserkrankungen bei alten Menschen mit zurückliegender, mehrjähriger depressiver Stimmungslage gefunden hat. Das Review von Oerlemans et al. zeigt eine geringe und marginal signifikante Assoziation zwischen Depression und dem allgemeinen Karzinomrisiko („overall cancer risk“) und eine deutlichere Zunahme des Mammakarzinomrisikos bei einer mehrere Jahre zurückliegenden Depression (28). Die Metaanalyse von Satin et al. (29) zur prognostischen Bedeutung der Depression beim Karzinompatienten dokumentierte eine Assoziation zur Mortalität, aber nicht zur Krankheitsprogression. (Allerdings konnten hierzu nur drei Studien eingeschlossen werden, im Tierversuch wurden entsprechende Zusammenhänge dokumentiert (30)). In der Scottish Health Survey war in der Multiregressionsanalyse psychischer Distress bei Tumorpatienten mit einer erhöhten Mortalität assoziiert (31). Pinquart und Duberstein berichten in ihrer Metaanalyse bei Patienten mit depressiven Symptomen von einer um ca. 20 % erhöhten Sterblichkeit gegenüber Patienten ohne relevante depressive Symptome (32). Damit beschränkt sich die psychoonkologische Therapie nicht nur auf die Auseinandersetzung mit der Erkrankung, sondern hat im Gesamtzusammenhang einer multimodalen onkologischen Therapie ihren festen Platz.

Das seelische Erleben des Menschen kann im Sinne eines Atmungsprozesses verstanden werden: Die rezeptive Seelenhaltung entspricht der seelischen „Einatmung“, die expressive, sich nach außen wendende seelische Aktivität der „Ausatmung“. Für jeden Menschen scheint es eine unterschiedliche „Atemmittellage“ zu geben, die einmal mehr die Einatmung, das andere Mal die Ausatmung betont. In der Begleitung onkologisch erkrankter Patienten entsteht oftmals der Eindruck einer vermehrten „seelischen Einatmung“. Vieles wird innerlich aufgenommen und nur Weniges in die emotional expressive „Ausatmung“ geleitet. Auch hier scheint der krebserkrankte Mensch eine dem organischen Krankheitsprozess entsprechende seelische, nach innen gerichtete Geste zu entwickeln, der die seelische „Entzündungsfähigkeit“ als zentrifugale Aktivität nicht in gleicher Weise gegenübersteht (33). Es lässt sich also auf mehreren Ebenen diese aufnehmende, wahrnehmende und hierin einem Sinnesorgan vergleichbare Qualität finden. Steiner charakterisiert entsprechend die Krebserkrankung als „Sinnesorganbildetendenz am falschen Ort“ (34).

Die künstlerischen Therapien der Anthroposophischen Medizin und die Heileurythmie können auch auf dieser inneren Ebene der Krebserkrankung ansetzen und den Erkrankten als Mitgestalter in seinem Therapieverlauf unterstützen. Ist beispielsweise der Patient seelisch verletzlich und wie „ohne Hülle“, so können hüllebildende therapeutische Bewegungen der Heileurythmie eine entscheidende Hilfestellung werden. Auch die Maltherapie wird patientenseits als ausgesprochen hilfreich eingeschätzt. Die Wirksamkeit anthroposophischer Kunsttherapie bei unterschiedlichen Erkrankungen konnte in der sog. Amos-Studie dokumentiert werden (35).

Die vierte Therapieebene bezieht sich auf die unmittelbare Begegnung im Gespräch mit dem erkrankten Menschen. Zu den wesentlichen Themenschwerpunkte gehört die Stellung der Erkrankung in der Biographie, Hilfen im Umgang mit der gegenwärtigen Erkrankungsphase und Aspekte der inneren Entwicklung durch und mit der Erkrankung. Krankheit ist nicht nur Ergebnis eines aus der Vergangenheit kommenden Prozesses, sondern ebenso „Geburtswehe“ für künftige Entwicklung. Manche bereits fortgeschritten erkrankte Patienten sprechen eindrücklich von einem Dank gegenüber ihrer Erkrankung. Sie sehen deren belastende und kräfteraubende Schattenseite, genauso aber auch das Licht, auf das jeder Schatten weist. Von manchen Patienten wird dann die Frage nach einer meditativen Arbeit gestellt. Die innere Stimmung, die in dem folgenden Gedicht Christian Morgensterns (36) als langjährig erkranktem Menschen beschrieben wird, kann zu einer Kraftquelle in der Bewältigung innerer Herausforderungen werden:

Du Weisheit meines höhern Ich,
die über mir den Fittich spreitet
und mich vom Anfang her geleitet,
wie es am besten war für mich,  –

Wenn Unmut oft mich anfocht: nun
– Es war der Unmut eines Knaben!
Des Mannes reife Blicke haben
die Kraft, voll Dank auf Dir zu ruhen.

Durch diese konzentrierte Denktätigkeit kann das ständige Grübeln und Kreisen der Gedanken um die immer wiederkehrenden Sorgen gelöst und zu einer tieferen Besinnung geführt werden.

Neben dieser meditativen Denktätigkeit kommen weitere Übungen hinsichtlich der Willensentfaltung in Betracht. Jedem Arzt ist die Bedeutung des inneren, positiven Willens für das Gesunden deutlich. Wenn ein Patient die Entscheidung trifft, sich „aus dem Kämpfen zurückzuziehen“, folgen oftmals die Verschlechterung und immer wieder auch der Tod. In der Patienten-Arzt-Beziehung ist deshalb eine perspektivenerschließende, aber auch illusionsbefreite Grundstimmung, die die weiteren Schritte in der Krankheitsbewältigung begleitet, wesentlich. Rudolf Steiner weist in diesem Zusammenhang auf die wichtige und fundamentale Beziehung zwischen dem therapeutischen Engagement, dem „Heilerwillen“ und dem Willen zum Gesunden des Patienten.

Ein nächster Übungsschritt bezieht sich auf das Fühlen. Das Leben des krebserkrankten Menschen ist durch eine meist intensive Dynamik der Empfindungen und Gefühle gekennzeichnet, die zwischen Angst und Sorge, z. B. vor einer anstehenden Untersuchung eines Restagings, und Erleichterung und Hoffnung bei unauffälligen und erfreulichen Ergebnissen schwanken. Der Patient erlebt das Spannungsfeld zwischen resignativer Selbstaufgabe und illusionistischer Verkennung der Krankheitssituation. Es ist ein ständiges Stehen am Abgrund mit einer vielfach als existentiell erlebten Bedrohung und erfordert eine starke Kraft, sich in dieser Situation die notwendige innere Ruhe und Besonnenheit erobern zu können. Eine weitere Übung schult die Aufmerksamkeit auf das durch die Krankheit entstehende Positive. Manchmal ist es der glückliche Verlauf, der Kraft schenkt, manchmal die sich vertiefende Beziehung zum menschlichen Umkreis, die in einer vorher nicht vergleichbaren Intensität entsteht. Oder es sind innerlich bemerkbare Entwicklungsschritte und Fähigkeiten, die sich als Frucht der Erkrankung entwickeln. So beobachten wir auch in der palliativen und hospizlichen Patientenbegleitung beeindruckende Schritte der „Selbst-Werdung“, die nicht mehr das berufliche und sonstige „Rollenspiel“ in den Vordergrund stellen, sondern die Authentizität der Persönlichkeit entwickeln.

Schließlich verlangt die häufig gestellte Frage nach der Prognose im jeweiligen Erkrankungsstadium einen besonderen Umgang im Sinne einer „Unbefangenheit“, die den individuellen Verlauf vor dem Hintergrund einer statistisch zu erwartenden Lebenserwartung stellen kann. Es kommt darauf an, den eigenen Weg gefunden zu haben, seine Sinnhaftigkeit zu erkennen und ihn im Einklang mit den Wertevorstellungen zu wissen. So kommt es nicht nur darauf an, etwas „Wirksames“ gefunden zu haben, sondern es als „gut“ und den eigenen Präferenzen entsprechend zu erkennen. Die Ausrichtung dieses Weges gibt dann Sicherheit, auch wenn seine Länge nicht bekannt ist.

Bei diesen Herausforderungen handelt es sich um Übungen, die von Rudolf Steiner in einem umfassenderen Kontext als die „sechs Eigenschaften“ beschrieben worden sind (13, 18).

Beim onkologisch erkrankten Patienten können die Fragen von Sterben und Tod keinesfalls ausgeklammert werden. Hier gilt es, an persönliche Auffassungen und Wertevorstellungen des Patienten anzuschließen, sie im gemeinsamen Gespräch zu reflektieren und ihnen mit den eigenen Erfahrungen aus der langjährigen Begleitung onkologisch erkrankter Patienten zu begegnen. Themen wie die Nahtod-Erfahrungen, die in der beachtenswerten Studie von Pim van Lommel et al. (37) untersucht worden sind, helfen weitere Perspektiven der auch hier zukunftsfähigen menschlichen Individualität zu entwickeln. Vor dem Hintergrund des charakterisierten Menschenverständnisses bezieht sich die Endlichkeit auf die körperliche Ebene, nicht jedoch auf das lebendige, seelische und geistige Wesen des Menschen. Derartig unterschiedliche Seinsebenen haben ihre eigenen Entwicklungswege. Erfasst man den Körper als Instrument, das der Individualität dient und sie zur Erscheinung bringt, so ist mit Wegfall dieses Instruments nicht von selbst auch sein Benutzer aufgelöst. Vielmehr lässt sich der Gedanke einer erneuten Verwirklichungsmöglichkeit in einem neuen Instrument fassen, den Benjamin Franklin als 23-Jähriger für seine Grabinschrift mit den folgenden Worten beschreibt: „Hier ruht der Leib Benjamin Franklins, eines Buchdruckers, als Speise für die Würmer, gleich dem Deckel eines alten Buches, aus dem der Inhalt herausgenommen und der seiner Inschrift und Vergoldung beraubt ist … Doch wird das Werk selbst nicht verloren sein, sondern dermal einst wieder erscheinen in einer neueren schöneren Ausgabe, durchgesehen und verbessert von dem Verfasser“ (38).

Diese „sechs Eigenschaften“ sind nicht nur für den Patienten, sondern genauso auch für den behandelnden Arzt von großer Bedeutung: Konzentration im Denken und in der Gesprächsführung, therapeutisches Engagement im Sinne eines Willens zum Heilen, Empathie als Kultur der Beziehungsgestaltung, Erkennen des Positiven im Erkrankungsverlauf und schließlich das vorurteilsfreie Wahrnehmen des Patienten in seiner jeweils individuellen Situation sind Grundsäulen der Patienten-Arzt-Beziehung und verlangen auch vom Arzt innere Entwicklung und nicht nur informatorische Kompetenz.

Entwicklung in der Krankheit

Barlach hat in seinem „Geisteskämpfer“ eine Plastik geschaffen, die in künstlerischer Form die krankheitsüberwindenden Kräfte des Menschen zum Ausdruck bringt. Das noch nicht menschliche, sondern „tierverwandte“ wird durch die nicht kämpferische, sondern ruhige Gebärde der engelsartigen Gestalt, der jede Gewalt zu fehlen scheint, überwunden. Die Medizin hat gelernt, Krankheit zu supprimieren, zu „blocken“ oder auch zu antagonisieren, aber noch nicht zu verwandeln. In den salutogenetischen Kräften der Auseinandersetzung mit der Krankheit kann der Mensch im Leiblichen, Seelischen und Geistigen verwandelnde Kräfte entfalten und dadurch einen neuen Schritt auf dem Entwicklungsweg der Individualität erobern. Krankheit stellt sich vor diesem Hintergrund in einen engen Zusammenhang mit der geistigen Wesenheit des Menschen, seiner Entelechie. Auf diese weist Novalis mit den Worten: „Das Ideal einer vollkommenen Gesundheit ist nur wissenschaftlich interessant, Krankheit gehört zur Individualisierung.“ (39)

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