Anthroposophische Krankenpflege und die Äußeren Anwendungen

Die Anthroposophische Krankenpflege ist durch Rudolf Steiner und Ita Wegman veranlagt worden und hat sich zwischenzeitlich weltweit entwickelt und verbreitet. Sie wird in der stationären und ambulanten Patientenversorgung und in allen Bereichen der Medizin – Onkologie, Intensivmedizin, Kinderheilkunde etc. – eingesetzt. Der Anthroposophischen Krankenpflege liegt ein Menschenverständnis und eine ethische Haltung zugrunde, die eine Begegnung mit dem Patienten in seinem leiblichen seelischen und geistigen Wesen, in seiner Autonomie und Menschenwürde fördert (1).

Pflegemaßnahme bestehen nicht nur aus ihren äußeren Merkmalen, sondern haben innere Qualitäten, die für die Wirksamkeit mit entscheidend sind. So lebt in der Grundpflege des Patienten nicht nur die äußere Versorgung, sondern ein lebendiger, belebender Pflegeprozess, der sich in der Art und Weise der Durchführung der einzelnen Maßnahmen ausspricht. Damit können z. B. das Erleben und Eintauchen in den Tag – und am Abend in den Schlaf – wesentlich gefördert werden. Darüber hinaus ist die seelische Begleitung von großer Bedeutung. Zwischenzeitlich ist die Bedeutung der Seele für das Heilen und insbesondere auch für die Wundheilung gut dokumentiert. Patienten mit Depression, Unruhe, seelischer Angespanntheit haben eine schlechtere Wundheilung (2, 3). Schon vor mehr als 100 Jahren hat Rudolf Steiner auf diese Bedeutung der Seele für das Heilen hingewiesen: „Zufriedenheit […] verstärkt den Ätherleib in Bezug auf seine Lebenskraft [so dass] Wunden […] bei einem zufriedenen Menschen […] leichter heilen […]“ (4, S. 215). Die innere Haltung kann unmittelbar auf die seelische Welt des Patienten wirken und dadurch seine Lebenskräfte in der Wundheilung fördern. Schließlich hat die therapeutische Gesinnung eine wesentliche Bedeutung. Wenn die therapeutischen Maßnahmen einer geistigen Zielsetzung, inneren Überzeugung und therapeutischen Intuition folgen, so wirken sie stabilisierend auf den Patienten. Dieser erlebt dadurch einen therapeutischen Willen, der Perspektive und Hoffnung entstehen lassen und sich positiv auf den Krankheitsverlauf – und möglicherweise auch auf die Prognose – auswirken kann. So entwickeln sich in den pflegerischen Tätigkeiten unterschiedliche Dimensionen, die direkt mit dem Heilen und der Therapie verbunden sind. Für diese Qualitäten braucht es nicht nur die professionelle Ausbildung, sondern auch eine ethische und spirituelle Entwicklung. Diese Qualitäten gehören zur Identität des Pflegeberufs, der auch in der modernen Patientenversorgung unverzichtbar ist (siehe auch Berufsbild Anthroposophische Pflege: www.anthromedics.org/topics/415 ).

Zum Vademecum Äußere Anwendungen in der Anthroposophischen Pflege: www.pflege-vademecum.de .

1 Heine R (Hg). Anthroposophische Pflegepraxis. Grundlagen und Anregungen für alltägliches Handeln. 4., korr. und erw. Aufl. inkl. DVD. Berlin: Salumed Verlag; 2017.

2 Godbout, J. P., Glaser, R.: Stress-induced immune dysregulation: implications for wound healing, infectious disease and cancer. Journal of Neuroimmune Pharmacology  2006;1(4):427-427. [Crossref]

3 House SH. Psychological distress and its impact on wound healing. An integrative Review. Journal of Wound, Ostomy and Continence Nursing 2015; 42(1): 38-41. [Crossref]

4 Steiner R. Wege und Ziele des geistigen Menschen. Lebensfragen im Lichte der Geisteswissenschaft. GA 125. 2. Aufl. Dornach: Rudolf Steiner Verlag; 1992.