Multiprofessionelle Konzepte u. Therapieempfehlungen für Leitsymptome/-themen: Der CARE-Prozess

Anthroposophische Medizin

Anthroposophische Medizin ist eine multiprofessionelle, integrativ orientierte Heilkunst. Sie richtet sich in Diagnostik und Therapie an einem Verständnis des Menschen aus, dass nicht nur seinen Körper, sondern auch sein lebendiges, seelisches und geistiges Wesen umfasst. Die Berufsgruppen der

  • Ärzte
  • Pflegenden
  • Körpertherapeuten
  • Eurythmietherapeuten
  • Kunsttherapeuten
  • Psychotherapeuten
  • Seelsorger und Spiritual Care

wirken in der Patientenversorgung in Klinik und ambulanter Medizin zusammen und bestimmen das jeweilige therapeutische Profil.

CARE-Prozess

Die Entwicklung des Systems der Anthroposophischen Medizin (1, S.57) besteht in der individuellen und multiprofessionellen Zusammenarbeit zur Entwicklung von Präventions- und Therapiekonzepten bei häufigen, bislang therapeutisch unbefriedigend behandelbaren Symptomen oder Erkrankungen und unbefriedigend gelösten Problemstellungen. Diese Konzepte verstehen sich als Beitrag zu einer integrativen medizinischen Versorgung einschließlich edukativer Konzepte. Sie wollen verständlich, vermittelbar, in Praxis und Klinik implementierbar und wissenschaftlich evaluierbar sein.

Die multiprofessionelle Zusammenarbeit erfolgt innerhalb des CARE-Prozesses in internationalen Arbeitsgruppen.

Diesen Arbeitsgruppen liegt eine gemeinsame Methodik zugrunde:

Inhaltlich konzeptionelle Arbeit an versorgungrelevanten Themen der Medizin.

  • Sammlung und Diskussion der Best Practice der Anthroposophischen Medizin unter Berücksichtigung der Best Available Evidence. Dabei soll durch die Vielzahl der Perspektiven und Wahrnehmungsebenen der unterschiedlichen Berufsgruppen vor dem Hintergrund eines gemeinsamen Menschenbildes eine vertiefte Einsicht in das jeweilige Krankheitsbild oder die Problemstellung gewonnen und therapeutische Vorgehensweisen diskutiert und entwickelt werden.
  • Die Empfehlungen zur Arzneitherapie gründen sich auf die persönliche Expertise, auf das Vademecum Anthroposophische Medizin (2) mit dem dort beschrieben Vademecum-Prozess (3), auf die Studienergebnisse und dem Lehrmaterial der Anthroposophischen Medizin. Die Empfehlungen zur anthroposophischen Krankenpflege folgen entsprechend dem Pflegevademecum (4). Die weiteren Therapien wie Körpertherapie, Heileurythmie, Kunsttherapie und die Psychotherapie orientieren sich an der individuellen Expertise, den Empfehlungen der Fachverbände und der derzeit vorliegenden Studienlage.
  • Die berufsgruppenspezifischen Therapien werden vor dem Hintergrund des anthroposophischen Krankheitsverständnisses und Therapiebedarfs gemeinsam diskutiert, abglichen und weiterentwickelt.
  • Die international und multiprofessionell zusammengesetzten Arbeitsgruppen haben die Möglichkeit, die Expertise externer Sachverständigen einzuholen. Hierzu ist der wissenschaftliche und international besetzte Beirat vorgesehen, zu dem auch die Patientenvertretung eingeladen wird.
  • Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen sind über ein elektronisches System den anthroposophisch erfahrenen Therapeuten einsehbar. Kommentare aus der weltweiten Kollegenschaft werden den CARE-Gruppen zugesandt, von ihnen bearbeitet und aufgenommen.
  • Es folgt ein redaktioneller Prozess durch Fachredakteure und Lektorat.
  • Nach der Textfreigabe durch das Editorial Board erfolgt die Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse auf der Internetplattform Anthromedics.org zur eigenverantwortlichen Nutzung durch Ärzte und Therapeuten.
  • Die Veröffentlichungen erfahren ihre Reevaluation und Weiterentwicklung.

1 Steiner R. Die Weihnachtstagung zur Begründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft 1923/1924. GA 260. 5. Aufl. Dornach: Rudolf Steiner Verlag; 1994.

2 Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland/GAÄD, Medizinische Sektion am Goetheanum (Hg). Vademecum Anthroposophische Arzneimittel. 4. Aufl. München: GAÄD; 2017.

3 Hamre H. Bedeutung des Vademecum-Projekts. Der Merkurstab 2017;70(6):482-486.

4 Vademecum Äußere Anwendungen in der Anthroposophischen Pflege: www.pflege-vademecum.de/