Angst I Palliativmedizin I Heileurythmie

Die Heileurythmie hat in der Angsttherapie beim palliativen Patienten eine große Bedeutung. Sie verstärkt die innere Aktivität und kann die Selbstwirksamkeit dem Angsterleben gegenüber fördern. Sollte der Patient zur aktiven Bewegung nicht (mehr) in der Lage sein, so kann er die Heileurythmie mit kleinen Bewegungen der Arme oder nur der Hände durchführen. Schließlich kann der Therapeut die Übungen für den Patienten durchführen, die dann in seinem Nacherleben zur Wirksamkeit kommen: Angst und Unruhe bessern sich mit deutlicher Erleichterung für den Patienten und seinen Umkreis.
Neben den heileurythmischen Bewegungen haben Rhythmen in der Angsttherapie eine große Bedeutung. Sie können mit kleinsten Bewegungen der Hände, ggf. der Arme oder – beim bewegungsfähigen Patienten – mit der gesamten Gestalt durchgeführt werden. Der Hexameter (lang – kurz – kurz) entfaltet eine beruhigende Wirksamkeit, ebenso der Trochäus (lang – kurz). Aufsteigende Rhythmen (Jambus: kurz – lang) haben demgegenüber eine aktivierende Wirksamkeit.

Der Konsonant B kann die Verarbeitung von Sinneseindrücken unterstützen, M fördert die Durchwärmung des Körpers. Die Vokale A und E können in Verbindung mit Rhythmen (z. B. Hexameter) ordnend, beruhigend wirken und beim Überwinden der Angst helfen.

Therapeutisches Vorgehen

Angst mit Anspannung, seelischer Verkrampfung

Das Vertrauen in den inneren Boden wird durch Bewegungen zwischen Zentrum und Peripherie wiederhergestellt:

  • Liebe–E; die Arme in einer großen E-Geste oder einfach nur zu den Seiten hin öffnen, wenn das besser geht, dann die Handflächen nach oben bringen, um sie vor dem Körper in einem  Ehrfurcht–E zu kreuzen.
  • Dies kann mit den Worten „Wärme der Sonne sammle ich im Herzen“ begleitet werden,
  • gefolgt von einer I-Geste durch die Aufrichtung in der Gestalt oder mit einem Finger und den Worten „und lasse sie strahlen durch alle Glieder“.

Angst mit depressiver Stimmungslage und Mutlosigkeit

Durch die folgenden Übungen kann die Verbindung von vorderem und hinterem Raum ergriffen werden:

  • Die L-Übung webt einen Kreis um diese Räume. Dieser kann in der inneren Vorstellung um die Gestalt herum vollzogen werden. Indem die Schultern eingesetzt werden, können der Rücken aktiviert, der hintere Raum geöffnet und Aufrichtekräfte unterstützt werden.
  • Rhythmisches R (zwischen rechts und links mit den Händen), rhythmisches Abrollen der Füße auf einer Kupferwalze und die Lautfolge H–A haben sich ebenfalls bewährt.
  • Eine Variation der Hallelujah-Übung: H–A, L , Liebe-E, L Hoffnung-U, I mit der Gestalt, A–H kann dem Therapieprogramm Form geben. Jede Übung sollte dem Patienten und seinen Möglichkeiten angepasst und auf genügend Pausen geachtet werden. Bei Patienten, die sich nicht selbst bewegen können, kann die sog. Halleluja-Übung die Atmung vertiefen und für eine lichtvollere Atmosphäre sorgen.
  • Heileurythmisch nicht ausgebildete Therapeuten können die Übung „Ballen und Lösen“ anleiten mit dem Spruch: „Wärme der Sonne sammle ich im Herzen, und lasse sie strahlen durch alle Glieder“.

Angst mit Atemnot

  • Die Übungen beginnen mit dem I – A – O  
    und werden bei Angst mit kardiovaskulärer Symptomatik mit dem L-A-O-U-M weitergeführt.

L und M wirken auf die veränderte Atmung. M kann darüber hinaus die Körperwärme fördern. Das A hat eine lösende und beruhigende Wirksamkeit. L hat eine belebende Funktion: Angst geht infolge der begleitenden Sympathikotonie mit abbauenden Stoffwechselprozessen einher. Das L kann die ätherische Organisation unterstützen und aufbauende Lebenskräfte verstärken.

  • Empfehlenswert sind Variationen mit L-A-O-U-M : die Ausführung der Vokale mit den Füßen, L und M mit den Schultern und Füßen (das Bilden der Laute mit den Füßen kann auch passiv geschehen).
  • Auch an die Übung  Hoffnung-U kann gedacht werden. Die Verwendung des Hexameterrhythmus als Grundstimmung kann eine freiere Atmung unterstützen.
  • Der nicht ausgebildete Heileurythmist kann die M-Geste zeigen. Der Hexameter-Rhythmus kann betont werden, indem Therapeut und Patient sich jeweils bei den Längen einen weichen Ball reichen und ihn sich bei den beiden Kürzen jeweils in die eigene Hand geben.

Angst vor dem „Verlust der Mitte“

  • Die Tonhöhen einer einfachen Melodie nachzuahmen , fordert den Patienten dazu auf, seine Aufmerksamkeit auf etwas außerhalb seiner selbst zu richten. Die Resonanz gegenüber An- und Abstieg der Melodie kann entspannend und ordnend wirken.
  • Die beruhigende Sequenz V-B-P-S-T kann einen anderen Weg eröffnen: Durch V und B wird von außen eine Schutzhülle aufgebaut, im P sammelt man sich in der Mitte und reagiert dann mit S und T auf die Umgebung und behauptet sich.
  • Auch die Vokale I und E eignen sich und werden entsprechend den Möglichkeiten des Patienten ausgeführt.
  • Der Einsatz von Gegenständen gibt konkreten Halt. B kann beim Umschließen einer Kupferkugel mit beiden Händen gespürt werden, die Füße werden belebt, indem sie auf einer Kupferrolle bewegt werden. E hat eine ähnliche Qualität und kann auch mit den Fingern oder Füßen durchgeführt werden.

Angst mit seelischer Unruhe

  • Bei unruhevoller Angst können Vokale mit den Füßen ausgeführt werden, besonders U , wodurch der Patient sich innerlich zentriert. A-U-M mit den Füßen oder Fingern, rhythmische Arbeit oder auch die A-H-Übung kommen in Betracht.
  • Es kann notwendig sein, das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem mit Hilfe von Konsonantenübungen zu unterstützen und zu ordnen.
  • S kann sehr hilfreich sein, wenn störende Träume bestehen.
  • M hilft bei der Ausatmung und wird oft als Frieden bringend erlebt.
  • Die Übung „Ballen und Lösen“ kann mit den Händen oder einer Extremität ausgeführt werden und dem Patienten ggf. auch einfach nur vom Therapeuten vorgeführt werden.
  • Das mit den Fingern gestaltete A kann hilfreich sein.
  • Angeleitetes Rückwärtsgehen kann ebenfalls angstlösend wirken, wenn es möglich ist.