Angst I Palliativmedizin I Musiktherapie

Die Musiktherapie ist auch in der Palliativmedizin geeignet Ängsten zu begegnen und sie zu lösen. Angst geht mit Veränderungen der Atmung und Herzfrequenz einher und findet dadurch ihren unmittelbaren Ausdruck im Rhythmischen System. Sie führt zu seelischer Anspannung mit Erhöhung des Muskeltonus und unter Umständen auch zu einer Verstärkung der Schmerzsymptomatik. Ängste können vor allem dort gelöst und begleitet werden, wo sie entstehen, nämlich im seelischen Wesen des Menschen. Die Musik ist eine der Künste, die auf dieser Ebene ansetzt. Wenn wir zum Beispiel mit den TAO-Klängen (herunterführende Septim, Sext, Terz und Sekunde) dem angsterfüllten Menschen begegnen, entwickelt sich im Patienten ein spürbarer, von Angst befreiter Raum. Die Atmung wird tiefer und ruhiger, Wärme durchströmt den Patienten bis in die Peripherie und erwärmt die oftmals kühlen Akren, der Schmerz geht zurück. Häufig weinen die Patienten, weil sich etwas seelisch löst, was vorher gestaut war. Oft kommt es zu einer tiefen Entspannung, sodass der Kranke in den Schlaf sinkt und neue Kräfte schöpfen kann.

In der Angsttherapie wirkt die Musik als Begleiterin, die – nach innen führend im Moll und befreiend und erleichternd im Dur – dem Menschen zur Seite steht. Sie wirkt stärkend und aufrichtend in der Schlichtheit der Klänge einer Harfe, einer Leier oder im Vorsingen des Therapeuten. Dadurch können Kräfte entstehen, die zum ewigen, unzerstörbaren geistigen Wesen des Menschen hin orientieren. Aus dieser Dimension schenkt die Musik Botschaften, die den Menschen innerlich erreichen.

Therapeutisches Vorgehen

Angst mit Anspannung

Bewährt hat sich die

  • Leier wie auch die Tenor-Chrotta .

Beide Instrumente vermitteln Hülle und Wärme. Unter den Metallinstrumenten ist der

  • Kupfer- oder Bronzegong

geeignet, am besten aus dem Umkreis gespielt auch in Verbindung mit dem Singen. Klänge einer   

  • pentatonisch gestimmten Kantele

um das Bett des Patienten gespielt, haben ebenfalls eine seelisch entkrampfende Wirkung. Wärme kann auch von außen angeregt werden und sich bis in die Füße ausbreiten (z.B. Vibrationen, einer Kantele, die an den Füßen des Patienten gespielt wird oder am Rücken mittels einer Klangliege).

Angst mit Depression

Die depressiv-ängstliche Stimmung wird mit dem Leiervorspiel aufgegriffen und allmählich aufgelichtet, belebt und zur Eigenaktivität geführt. Mit leicht spielbaren Instrumenten mit optimaler Klangqualität wie einer

  • Bordunleier

werden im musikalischen Dialog seelische Atemprozesse angeregt. Das anschließende

  • Zimbelspiel

mit einer sich ausweitenden Armbewegung auf den langen Nachklang vertieft den Atem. Der helle, klare Ton wirkt stimmungsaufhellend.

Angst vor dem „Verlust der Mitte“

Besonders geeignet ist das Singen zur Anregung der Selbstwirksamkeit und Eigenaktivität. Therapeutisch wirksam sind der Aufbau einer Hülle und aktiver Stille z. B. durch

  • Vor- und Nachhören eines Musikstückes, Intervalls oder der Prozesse von Klingen – Verklingen – Pause.

Angst mit Atemnot

Es werden atmende

  • Melodien mit lemniskatischem Aufbau sowie Terz- und Quintintervallen – vorzugsweise mit der Altleier – vorgespielt.

Sie können die Angst und Atemnot lindern. Harmoniewechsel helfen, den Atem und die Schwingungsfähigkeit der Seele zu unterstützen. Dadurch wird das Hören angeregt und die physiologische Atmung positiv beeinflusst. Dies geschieht am direktesten beim Singen, das den Patienten über die Atmung als Ganzheit erfasst.

Angst mit seelischer Unruhe

Bei Angst mit seelischer Unruhe werden haltgebende Elemente eingesetzt wie

  • Kompositionen mit klaren Strukturen und Grundtonbezug sowie Wiederholungselemente .

Auch das tiefe Streichinstrument, die

  • Tenor-Chrotta

hat sich bewährt. Über das rhythmische Streichen der leeren Saiten werden strukturierende Kräfte angeregt und innerer Halt vermittelt.