Musiktherapie

Therapeutisches Vorgehen

Inappetenz

Die im Kapitel „Künstlerische Therapien in der Onkologie“ beschriebene Trias der möglichen Wirkung(en) der Musiktherapie – physiologisch, seelisch, spirituell – kann auch bei gastrointestinalen Beschwerdebildern und Krankheiten zum Einsatz kommen. Durch direkte Behandlung und Linderung von körperlichen Symptomen, Anregen eines „leichteren“ Umgangs mit körperlichen Symptomen (seelischer Aspekt) und Stärkung der inneren Autonomie des Menschen jenseits der Krankheitssymptome (spiritueller Aspekt).

Übelkeit

Bei immer wiederkehrender, nicht akuter Übelkeit hat sich

  • rezeptive Musiktherapie bewährt, mit wohltuenden umhüllenden Klängen auf der Altleier gespielt – eventuell ergänzt durch gesummte oder gesungene Töne.
    Musiken mit klaren rhythmischen Strukturen und tendenziell abwärts geführten Melodie-Bewegungen lassen den Patienten musikalisch wieder Boden fühlen. Die Lautstärke sollte nicht zu expressiv gewählt sein, so dass dem Patienten ein innerer Freiraum im Hören gewährleistet wird.

Wenn möglich, kann eine

  • Sequenz mit aktiver Musiktherapie folgen, in der der Patient z. B. auf einer Klangleier im Wechselspiel mit dem Therapeuten einen ruhigen, rhythmisch fließenden Dialog mit dem Therapeuten führt.
    Auch hier bewähren sich eher leise, abwärts geführte Tonfolgen. Die Lenkung der Aufmerksamkeit im spielerischen Tun und der aktive Hörprozess vermögen das Leibgefühl u. U. von der Übelkeit weg zu lenken.
  • Möglicherweise beeinflussen auch gesangstherapeutische Übungen die Übelkeit positiv:
    Atem vertiefende und die Bauchregion durchschwingende rhythmisierende Übungen, z. B. mit den Resonanzlauten M und W, können gestaute Energien wieder in Fluss bringen.

Erbrechen

Bei akutem Erbrechen ist keine Musiktherapie indiziert.

Bei immer wieder auftretender Neigung zu Erbrechen kann das

  • aktive Lauschen im Rahmen rezeptiver Musiktherapie ein Zu-sich-Kommen des Patienten ermöglichen.
    Als musikalische Mittel bieten sich, ähnlich wie bei der Übelkeit (siehe dort), eher leise Klänge an, vom Tempo her ruhig und langsam, in der Melodiestruktur mit eher abwärts geführten Tonfolgen.
  • In der aktiven Musiktherapie können tiefe Gongklänge, aus dem Umkreis gespielt , gefolgt von Zimbelspiel über die rhythmische Gebärde der Arme zwischen Zentrum und Umkreis ein ganzheitliches durchschwingendes Klangerleben beim Patienten anregen.
    Wirkt erkraftend. 

Weiterhin besteht auch die Möglichkeit,

  • durch das Hören von tiefen gestrichenen Tönen in Verbindung mit Vibrationserlebnissen
    – z. B. stehen die Fußsohlen des Patienten auf dem Korpus der vom Therapeuten gestrichenen Tenorchrotta – die Wärmezirkulation im Organismus anzuregen und darüber der Tendenz zum Erbrechen entgegenzuwirken.