Herzfunktion und Herzinfarkt - chronobiologische Aspekte

Gunther Hildebrandt
Article-ID: DMS-15344-DE
DOI: https://doi.org/10.14271/DMS-15344-DE

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Zusammenfassung Die rhythmische Herzfunktion nimmt - zusammen mit der Atmungsrhythmik und verschiedenen Kreislaufrhythmen — eine zentrale Stellung innerhalb der zeitlichen Organisation des menschlichen Körpers ein. In ihrem funktioneilen Verhalten läßt sie eine Vermittlerfunktion zwischen dem harmonikalen Ordnungsgefüge der Stoffwechselrhythmen und den reaktiven Frequenzmodulationen der Informationsrhythmen des Nervensystems erkennen. Die Funktionsökonomie der rhythmischen Herzaktionen wird in hohem Maße von der individuellen Frequenz- und Phasenkoordination mit anderen rhythmischen Funktionen, z. B. Atemrhythmus und arterielle Grundschwingung, beeinflußt. Sie unterliegt starken tagesrhythmischen Schwankungen und wird jeweils spontan im Verlauf der vormittäglichen ergotropen Umstellung des vegetativen Systems wie auch reaktiv durch körperliche und psychische Belastungen gestört. Die tageszeitliche Verteilung der Häufigkeit von Herzinfarkten spiegelt die Phasen verminderter Funktionsökonomie mit ihrem vormittäglichen Maximum. Unter chronischer reaktiver Belastung treten zu dem vormittäglichen Maximum infolge einer Frequenzmultiplikation des Circadianrhythmus weitere Häufigkeitsmaxima hinzu. Unter den heute wieder stärker beachteten funktionellen Faktoren der Herzinfarktentstehung dürfte der Verlust an Funktionsökonomie der Herzaktion eine wichtige Rolle spielen. Wegen der weitgehend an die Diastole des Herzens gebundene Blutversorgung des Myocards ist die Ausprägung der dikroten Pulswelle in der Aorta, die durch periphere Wellenreflexion in der diastolischen Phase in der Aortenwurzel auftritt und an der bereits geschlossenen Aortenklappe reflektiert wird, von besonderer Bedeutung. Ihre Amplitude wird von Frequenz- und Phasenabstimmung zwischen Herzrhythmus und arterieller Grundschwingung beeinflußt, wobei die normale Frequenzbeziehung beim Gesunden ganzzahlig (2:1 oder 3 : 1) ist. Nach Eintritt eines Herzinfarktes findet sich in der Regel ein völliger Verlust der rhythmischen Koordination sowie eine Einebnung der Tagesrhythmik. Bei günstigem klinischen Verlauf läßt sich die Regeneration der rhythmischen Funktionen und Ordnungsbeziehungen verfolgen. W^ie bei anderen Heilungs- und Kompensationsleistungen des Organismus wird auch die Reparationsphase nach Herzinfarkt von circaseptanen (etwa 7tägigen) reaktiven Perioden zeitlich gegliedert. Dabei lassen sich in Abhängigkeit von der vegetativen Reaktionslage verschiedene Verlaufstypen mit unterschiedlicher Zeitstruktur (früh- und spätreaktive Verlaufsmuster) differenzieren. Unter chronobiologischen Gesichtspunkten kann die Heilungsphase nach Herzinfarkt nicht durch gezielte Steuerung der rhythmischen Funktionen, sondern eher im Sinne einer dosierten Anregung der Selbstordnungsleistungen des Organismus erfolgen, wobei der Gesamtumfang der zeitlichen Organisation des Menschen zu berücksichtigen ist.

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