Ich habe eine Blasenentzündung (einfacher Harnwegsinfekt)

Ursula Soldner

Letzte Aktualisierung: 18.12.2019

Sie leiden, wie viele andere Menschen, an einer Blasenentzündung. Solch eine einfache Harnwegsentzündung – ohne Beteiligung der Nieren – kann folgende Beschwerden auslösen:

  • häufiger Drang zum Wasser lösen
  • brennende Schmerzen beim Wasser lösen
  • häufige, kleine Urinmengen
  • übelriechender Urin
  • manchmal Blut im Urin
  • Krankheitsgefühl

Bei Fieber muss eine Nierenbeteiligung vom Arzt ausgeschlossen werden. Insbesondere bei alten Menschen, aber auch bei Kleinkindern, können die Beschwerden sehr gering sein.

Wie können sich Erreger in die Blase einnisten und eine Entzündung hervorrufen?

Zum Urogenitalsystem gehören neben den beiden Nieren und ihren ableitenden Harnleitern die Blase mit der Harnröhre, über die der Urin nach außen abgegeben wird. Normalerweise verhindert der Organismus in der Harnröhre ein Aufsteigen von Bakterien, so dass sterile Verhältnisse in der Blase herrschen.
Unter gewissen Bedingungen können Erreger dennoch durch die Harnröhre in die Blase aufsteigen und so eine Entzündung und unangenehme Beschwerden auslösen. Das gilt insbesondere, wenn eine oder mehrere dieser Bedingungen zutreffen:

  • Unterkühlung
  • Schwimmbadbesuche fördern Infekte in der Blase.
  • sexueller Kontakt
  • Kontrazeptiva (empfängnisverhütende Mittel), da durch deren Gebrauch Harnwegsinfekte deutlich zunehmen.
  • Phimose (Vorhautverengung)
  • Entleerungsstörungen der Blase, z. B. durch eine vergrößerte Prostata oder Lähmung.
  • Nichtbeachtung der Hygiene, u. a. wischen mit dem Toilettenpapier in die falsche Richtung.
  • Bei jungen Menschen mit Liebeskummer oder anderem seelischen Leid suchen „ungeweinte Tränen“ einen anderen Weg, sehr oft über die Blase!
  • Ältere Menschen leiden oft an trockenen Schleimhäuten oder einem geschwächten Immunsystem.  

Wie können Sie sich selbst helfen?

Am besten reagieren Sie gleich auf erste Anzeichen, so dass sich die Entzündung nicht erst stark entwickeln kann:

  • Eigenwärme anregen durch warme Kleidung, warme Füße, warme Getränke.
  • Trinken Sie so viel wie möglich, mindestens jedoch 2 Liter warmen Tee, Kinder mindestens 1 Liter.
  • Essen Sie frische, gesunde Nahrungsmittel. Vermeiden Sie Zucker in jeder Form, denn Zucker schwächt die Immunabwehr.              

Äußere Anwendungen

  • Kamillen-Dampfsitzbad
    Die aufsteigende Wärme entlastet Sie unmittelbar von den brennenden Schmerzen und wirkt entspannend auf Ihren Unterleib.
    Kinder: Kamillendampfsitzbad erst ab 6 Jahren. Kleine Kinder erhalten Sitzbäder in einer kleinen Wanne mit warmem Wasser und unter Zusatz von einem Liter kräftigem Salbeitee, Kamillentee oder Thymiantee im täglichen Wechsel während 15 Min.
    Zur Durchführung siehe http://www.pflege-vademecum.de/kamillen-dampfsitzbad.php.

  • Eukalyptusöl-Blasenwickel
    Diese einfache Anwendung entspannt und durchwärmt Ihre Blase nachhaltig. Ca. 15 – 20 Tropfen Eukalyptusöl auf ein zusammengelegtes Baumwolltaschentuch träufeln und dieses ca. 1 Std. auf die Blase legen, mit einem Wolltuch abdecken. Eukalyptusöl 10 % bei Erwachsenen, 5 % bei 6 – 12 jährigen, Kleinkinder 2 %.  
    Zur Durchführung siehe http://www.pflege-vademecum.de/blasenwickel_eucalytptusoel.php.

  • Beckenboden-Blasenwickel mit Wacholderöl
    Bei chronischen Blasenentzündungen und bei Bettlägerigen empfiehlt es sich, diesen Wickel durchzuführen, weil hierdurch auch der Beckenboden mit einer milden, aber nachhaltigen Durchwärmung erreicht wird.
    Zur Durchführung siehe http://www.pflege-vademecum.de/bbb-oelw-w.php.

  • Warme Fußbäder
    bis zu den Waden, mit 1 – 2 % Salz oder 3 EL Ingwerpulver für 15 Min.

Experten empfehlen folgende Arzneimittel

Antibiotika lösen zunehmend weltweit eine Resistenz der Erreger aus, deshalb ist es sinnvoll, eine einfache Blasenentzündung zunächst ohne Antibiotika zu behandeln. Kleinkinder unter 3 Jahren sollten in jedem Fall dem Arzt vorgestellt werden.
Experten schlagen als Alternative vor:

  • Cantharis Blasen Globuli velati WALA und/oder
  • Berberis/Apis comp. Globuli velati WALA, anfangs im Wechsel stdl. 5 – 10 Glob., später 3 x 5 – 10 Glob. täglich.

Normaler Verlauf einer Blasenentzündung – Wann empfiehlt sich ein Arztbesuch?

Wenn keine Symptome wie Schmerzen in der Nierengegend, Fieber, Abgeschlagenheit, evtl. Blut im Urin dazu kommen, bei denen sich immer ein Arztbesuch empfiehlt, ist in der Regel zu erwarten, dass die Akutphase mit den oben genannten äußeren Anwendungen und Medikamenten innerhalb weniger Tage so weit beherrscht wird, dass Sie keine Schmerzen mehr haben. Das bedeutet aber nicht, dass Sie die Therapie absetzen können. Wenden Sie parallel zu den Kamillen-Dampfsitzbädern – über 1 bis 2 Wochen – die Eukalyptusöl-Blasenwickel an, die Sie ruhig nach Bedarf noch länger einsetzen können. Trinken Sie weiterhin viel warmen Tee und – ganz wichtig – vermeiden Sie körperliche Auskühlung.

Literaturempfehlungen

Emde B, Riedel J. Anthroposophische Arzneimittel: Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2014.

Karutz, Soldner G, Soldner U, Gnatz B. Einleitung / Kamillendampfsitzbad. Der Merkurstab 2014;67(2):148-150.

Neues aus der Forschung

Misteltherapie in Ergänzung zur Standard-Immunbehandlung bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs weist auf verbesserte Überlebensrate hin
Die Immuntherapie mit PD-1/PD-L1-Inhibitoren hat die Überlebensraten von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) erheblich verbessert. Die Ergebnisse einer Studie mit realen Daten (RWD), in der die zusätzliche Gabe von Viscum album L. (VA) zur Chemotherapie untersucht wurde, haben einen Zusammenhang mit dem verbesserten Überleben von Patienten mit NSCLC gezeigt - und zwar unabhängig von Alter, Metastasierungsgrad, Leistungsstatus, Lebensstil oder onkologischer Behandlung. Zu den Mechanismen gehören möglicherweise synergistische Modulationen der Immunantwort durch PD-1/PD-L1-Inhibitoren und VA. Diese Ergebnisse weisen auf die klinische Bedeutung einer zusätzlichen VA-Therapie hin; sie besitzen jedoch naturgemäss Limitationen, da es sich um eine nicht-randomisierte Beobachtungsstudie handelt. Die Studie ist in Cancers frei zugänglich publiziert: 
https://doi.org/10.3390/cancers16081609.

 

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