Anthroposophische Medizin

Die Anthroposophische Medizin ist eine Integrative Medizin. Sie begründet sich auf der Evidenzbasierten Medizin und dem anthroposophischen Menschen- und Weltverständnis. Sie wurde 1920 von der Ärztin Dr. med. Ita Wegman und dem Begründer der Anthroposophie Dr. phil. Rudolf Steiner initiiert und seither schrittweise weiterentwickelt. Anthroposophische Ärzte und Therapeuten versuchen, dem ganzen Menschen mit seinen körperlichen, lebendig-funktionellen, seelischen und geistigen Aspekten gerecht zu werden. Die Anthroposophische Medizin ist patientenzentriert, lebensnah und findet in unterschiedlichen Fachdisziplinen der Medizin wie beispielsweise der Onkologie, Kardiologie, Pädiatrie, Neurologie oder Psychiatrie Anwendung. Sie wird momentan weltweit in 22 Kliniken und einer Vielzahl an ambulanten Praxen und Therapeutika praktiziert.

Die Zugänge zur Anthroposophischen Medizin sind vielseitig. Dies begründet sich einerseits in ihrem Anspruch, wissenschaftlich und praktisch nachvollziehbar zu sein, andererseits in dem Anliegen, seelische und geistige Dimensionen des Menschseins in sinnvoller Weise zu integrieren. Inmitten dieses Spannungsfeldes seien vier Perspektiven näher betrachtet:

  • Anthroposophische Medizin im Kontext der Evidenzbasierten Medizin und ihr Beitrag zum Gesundheitswesen
  • Anthroposophische Medizin als Komplementäres bzw. Integratives Therapieverfahren
  • Anthroposophische Medizin als Heilkunst mit dem Menschen im Mittelpunkt
  • Anthroposophische Medizin als Spirituelle Medizin

Bartelme RR. Anthroposophic Medicine, an Introduction; and a Book Review of Anthroposophy and Science. Integrative Medicine 2017;16(4):42–46. Verfügbar unter https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6415628/ (17.07.2020)

Glöckler M. Was ist Anthroposophische Medizin? Wissenschaftliche Grundlagen, Therapeutische Möglichkeiten, Entwicklungsperspektiven. Dornach: Verlag am Goetheanum; 2017.

Selg P. Was heißt und zu welchem Ende studiert man Anthroposophische Medizin? Arlesheim: Verlag des Ita Wegman Instituts; 2017.

McKeen T. Anthroposophische Medizin: Einführende Vorträge und Aufsätze. Reprint. Berlin: Salumed Verlag; 2016.

Girke M. Menschenbild und Krankheitsverständnis in der Anthroposophischen Medizin. Einführung. Verfügbar unter https://www.anthromedics.org/BAS-0231-DE (04.06.2015).

Husemann A. Form, Leben und Bewusstsein. Einführung in die Menschenkunde der Anthroposophischen Medizin. Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben; 2015.

Steiner R, Wegman I. Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen. 8. Aufl. Basel: Rudolf Steiner Verlag; 2014.



Neues aus der Forschung

Anthroposophische Medizin ist evaluierter Bestandteil der CRF-Behandlung
Die krebsbedingte Müdigkeit (CRF) ist eines der häufigsten und am weitesten verbreiteten Symptome von Krebspatienten und Krebsüberlebenden. Ziel einer aktuellen systematischen Übersichtsarbeit war es, klinische Bewertungsskalen und Interventionen zu identifizieren, die für CRF zur Verfügung stehen. Zu diesem Zweck wurden 2611 Forschungsartikel gesichtet, wobei auch nicht-pharmakologische Massnahmen wie Bewegung, komplementäre Therapien, Ernährungs- und psychoedukative Massnahmen, Schlaftherapie, Anthroposophische Medizin und verschiedene pharmakologische Wirkstoffe als wirksam bei der Behandlung von CRF ermittelt wurden. Die Ergebnisse sind frei zugänglich veröffentlicht: 
https://doi.org/10.25259/IJPC_455_20
Ergänzender Hinweis: Die Wirkung der Misteltherapie bei CRF wurde von einer Forschungsgruppe im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe untersucht: 
https://doi.org/10.1177/1534735420917211


Weiterführende Informationen zur Anthroposophischen Medizin