Einführung in das Menschenverständnis der Anthroposophischen Medizin

Jedem medizinischen System liegt ein Menschenbild zugrunde, der gegenwärtigen konventionellen Medizin ein bio-psycho-soziales. Anliegen der Anthroposophischen Medizin ist es, den Menschen als leibliches, seelisches und geistiges Wesen zu begreifen und dementsprechend Diagnostik und Therapie an einem umfassenden Menschenverständnis zu orientieren. Sie erkennt damit nicht nur dem Physischen (Körper), sondern auch dem Lebendigen, Seelischen und Geistigen des Menschen eine eigene Wirklichkeit zu.

Zunächst sind die über das Physische hinausweisenden Ebenen nicht unmittelbar der Sinneserfahrung zugänglich, sondern dem Wortsinn nach „übersinnlich“. Sie verlangen eine jeweils eigenständige Methodologie im Erkenntniszugang. Das kausalanalytische Vorgehen erscheint lediglich als eine Erkenntnisweise, die vorrangig der somatischen Seinsdimension angemessen ist. Sie wird bereits dem Bereich des Lebendigen nicht mehr gerecht. Der Organismus ist nicht durch einfache Ursache-Wirkung-Relationen beschreibbar. Ähnliches gilt für das seelische und das geistige Wesen, die sich einer dem Körperlichen angemessenen Betrachtungsart nach Maß, Zahl und Gewicht entziehen. Insofern verlangt dieses Menschenbild eine den jeweiligen Seinsbereichen entsprechende Erkenntnistätigkeit.

Die Betrachtung des Organismus als Ganzem, aber auch diejenige jedes einzelnen seiner Organe wird erst dann eine vollständige genannt werden dürfen, wenn sich in ihr diese vier Ebenen wiederfinden. Das Gleiche gilt für das Verständnis von Krankheit und Therapie. Die Wirksamkeit des Körperlichen, Lebendigen, Seelischen und Geistigen wird zur Grundlage für das therapeutische Handeln und beleuchtet die Beziehung des Menschen zu den verschiedenen Naturreichen. 

Girke M, Matthiessen PF. Medizin und Menschenbild. Hohenwarsleben: VAS – Verlag für akademische Schriften; 2015.



Neues aus der Forschung

Real World Data-Studie: Faktoren im Zusammenhang patientenberichteter Post-/Long-Covid 
Bisher existieren nur wenige Erkenntnisse über die Faktoren, die zu Post-/Long-COVID (PLC) beitragen. In einer aktuellen prospektiven Studie gaben 99 registrierte Personen an, unter PLC-Symptomen gelitten zu haben - am häufigsten unter Müdigkeit, Dyspnoe, verminderte Kraft, Hyposmie und Gedächtnisverlust. Die Studienergebnisse zeigen unter anderem, dass Personen, die unter COVID-19-assoziierten Angstzuständen, Hyposmie oder Herzklopfen litten, bis zu achtmal gefährdeter waren eine PLC zu entwickeln als Personen ohne diese Symptome. Bei Personen, die während der Behandlung von COVID-19 an Müdigkeit litten, war die Wahrscheinlichkeit, an PLC-Müdigkeit zu erkranken, siebenmal höher als bei denjenigen, die dieses Symptom nicht entwickelten. Die Ergebnisse zeigen insgesamt, dass 13 % der Personen, die zuvor an COVID-19 gelitten haben, später an PLC erkrankten. Der Artikel ist frei verfügbar unter: 
https://doi.org/10.3390/ijerph192316124.

 

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