Einführung in das Menschenverständnis der Anthroposophischen Medizin

Jedem medizinischen System liegt ein Menschenbild zugrunde, der gegenwärtigen konventionellen Medizin ein bio-psycho-soziales. Anliegen der Anthroposophischen Medizin ist es, den Menschen als leibliches, seelisches und geistiges Wesen zu begreifen und dementsprechend Diagnostik und Therapie an einem umfassenden Menschenverständnis zu orientieren. Sie erkennt damit nicht nur dem Physischen (Körper), sondern auch dem Lebendigen, Seelischen und Geistigen des Menschen eine eigene Wirklichkeit zu.

Zunächst sind die über das Physische hinausweisenden Ebenen nicht unmittelbar der Sinneserfahrung zugänglich, sondern dem Wortsinn nach „übersinnlich“. Sie verlangen eine jeweils eigenständige Methodologie im Erkenntniszugang. Das kausalanalytische Vorgehen erscheint lediglich als eine Erkenntnisweise, die vorrangig der somatischen Seinsdimension angemessen ist. Sie wird bereits dem Bereich des Lebendigen nicht mehr gerecht. Der Organismus ist nicht durch einfache Ursache-Wirkung-Relationen beschreibbar. Ähnliches gilt für das seelische und das geistige Wesen, die sich einer dem Körperlichen angemessenen Betrachtungsart nach Maß, Zahl und Gewicht entziehen. Insofern verlangt dieses Menschenbild eine den jeweiligen Seinsbereichen entsprechende Erkenntnistätigkeit.

Die Betrachtung des Organismus als Ganzem, aber auch diejenige jedes einzelnen seiner Organe wird erst dann eine vollständige genannt werden dürfen, wenn sich in ihr diese vier Ebenen wiederfinden. Das Gleiche gilt für das Verständnis von Krankheit und Therapie. Die Wirksamkeit des Körperlichen, Lebendigen, Seelischen und Geistigen wird zur Grundlage für das therapeutische Handeln und beleuchtet die Beziehung des Menschen zu den verschiedenen Naturreichen. 

Girke M. Menschenbild und Krankheitsverständnis in der Anthroposophischen Medizin. Einführung. Verfügbar unter https://www.anthromedics.org/BAS-0231-DE (04.06.2015).

Girke M, Matthiessen PF. Medizin und Menschenbild. Hohenwarsleben: VAS – Verlag für akademische Schriften; 2015.



Neues aus der Forschung

Sicherheit von anthroposophischen Arzneimitteln gewährleistet! 
Anthroposophische Arzneimittel (AMP) sind in Europa und international weit verbreitet. Eine retrolektive Sicherheitsanalyse von Pharmakovigilanzdaten umfasste 99,4 % (1596/1606) aller in Deutschland im Studienzeitraum 2010 - 2017 vermarkteten AMP. Die relative Häufigkeit von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) für AMPs lag bei 1,5 pro Million verkaufter maximaler Tagesdosen. Die grosse Mehrheit der Patienten (91,9 %) erholte sich von den Nebenwirkungen oder war dabei, sich davon zu erholen und es gab keine Berichte mit tödlichem Ausgang. Der Originalartikel mit detaillierten Ergebnissen ist frei verfügbar unter 
https://doi.org/10.1007/s40801-021-00262-7.


Weiterführende Informationen zur Anthroposophischen Medizin