Einführung Ethik in der Medizin

Bewertungen und therapeutische Maßnahmen in der ärztlichen und therapeutischen Praxis sind durch Wertekonzeptionen und Grundannahmen des Menschenbildes bestimmt. Der betagte Patient auf der Intensivstation fordert uns in der therapeutischen Entscheidungsfindung heraus, der und die Krebserkrankte steht vor Entscheidungen hinsichtlich der oft begrenzten Wirksamkeit der ihm vorgeschlagenen Systemtherapie. Die therapeutisch relevanten Fragen beziehen sich nicht nur auf das „Wirksame“ und potenziell „machbare“, sondern auf das für den Patienten Nutzen bringende, also von ihm bzw. ihr als „gut“ eingeschätzte. Erst vor dem Hintergrund einer positiven Nutzenbewertung der Patienten werden die drei Säulen der Evidenzbasierten Medizin David Sackets – nämlich externe Evidenz, individuelle Expertise und Patientenpräferenz vollständig.
Grundkonzeptionen von Krankheit und Gesundung, aber auch die Qualitäten der Patienten-Arzt-Beziehung und ethische Entscheidungsfindungen sind von dem jeweiligen Menschenbild abhängig und werden von ihm gewichtet und bestimmt.

Selg P. Nach Auschwitz. Auseinandersetzungen um die Zukunft der Medizin. Arlesheim: Verlag des Ita Wegman Instituts; 2020.

Girke M, Matthiessen PF (Hrsg.) Medizin und Menschenbild. Bad Homburg: VAS-Verlag; 2015.

Selg P. Hippokrates, Ärztliche Ausbildung und Ethik. Arlesheim: Verlag des Ita Wegman Instituts; 2015.

Selg P. Der therapeutische Imperativ Rudolf Steiners – Zur ärztlichen Ethik. Der Merkurstab 2010;63(5):443-447.

Schad W. Medizin-ethische Aspekte. Der Merkurstab 2009;62(3):204-210.



Neues aus der Forschung

Elterliches Vertrauen beim Fiebermanagement - Ergebnisse eines App-basierten Registers 
Das Vertrauen der Eltern in das Fieber ihrer Kinder ist ein Schlüsselfaktor beim Fiebermanagement und es gibt immer noch unnötige Ängste und einen damit verbundenen unnötigen Einsatz von fiebersenkenden Mitteln. Die FieberApp-Anwendung sammelt Echtzeitdaten über fiebrige Infektionen und klärt Eltern über das Fiebermanagement auf. Zunächst wurden die Daten von 3721 Kindern (Durchschnittsalter 21 Monate) ausgewertet. Antipyretika wurden anfänglich bei 14,7 % der Kinder eingesetzt. Ihre Verwendung war vor allem mit fieberhaften Temperaturen, aber auch mit geringem Wohlbefinden der Kinder verbunden. Diese Assoziationen stehen teilweise im Einklang mit den jüngsten Leitlinien. Die Ergebnisse sind frei zugänglich veröffentlicht: 
https://doi.org/10.3390/ijerph192114502.

 

Weiterführende Informationen zur Anthroposophischen Medizin