Familienkultur - wie gestalten wir ein gesundes Familienleben?

Eltern arbeiten in der Regel mehr und haben gleichzeitig weniger Zeit für sich selbst als andere gesellschaftliche Gruppierungen. Trotzdem gehen sie seltener zum Arzt und geben weniger gesundheitliche Probleme an (1). Die Ergebnisse der Resilienzforschung konnten eindrücklich belegen, dass vor allem das Gefühl von Sinnhaftigkeit, Verstehbarkeit und Handhabbarkeit zu einer ausgeglichenen Seele und stabilen Gesundheit beiträgt (2). Gleichzeitig fordert das Familienleben den Eltern große Anpassungsfähigkeit ab. Anpassungsfähigkeit steht in direktem Verhältnis zu Widerstandsfähigkeit. So stärkt sie Vitalität und Gesundheit von Lebensprozessen. Familienleben ist ein Trainingsplatz für Anpassungsfähigkeit. Eltern müssen immer wieder ihre eigenen Vorstellungen den realen Gegebenheiten und den Bedürfnissen ihrer Kinder anpassen. Wenn ihnen das gelingt, dann geht es den Kindern, dann geht es aber auch den Eltern, dann geht es der ganzen Familie gut. Das ist die Basis familiären Wohlergehens. Wesentlich ermöglicht wird dies durch die Kraft der Liebe, die immer einen Aspekt von Selbstlosigkeit in sich birgt. Wie weisheitsvoll, dass der Mensch gerade dann am gesündesten ist, wenn er in dieser urmenschlichen Kraft der Liebe lebt. So ist Familie der Ort, an dem einerseits Gesundheitsverhalten erlernt und geprägt wird, von dem andererseits Gesundungskraft direkt ausgehen kann.

Familie als Ort konzertierter Bedürfnisse

Es erscheint selbstverständlich, dass die meisten Eltern wollen, dass es ihren Kindern gut geht. Umgekehrt ist es ebenso: Kinder wollen, dass es ihren Eltern gut geht. Wenn dies nicht der Fall ist, dann leiden die Kinder. Nicht nur seelisch durch Mitleid, sondern auch objektiv messbar werden ihre Gesundheit und ihr Verhalten beeinträchtigt. Sie leiden dann vermehrt unter Übergewicht, Essstörungen, Konzentrations-, Lern- und Verhaltensstörungen, Aggressivität, Depression, Angst. Zudem entwickeln sie Schuld- oder Verantwortungsgefühle den Eltern gegenüber. Umgekehrt konnte die KIGGS-Gesundheitsstudie in Deutschland durch rein statistische Datenanalysen zeigen: Wenn es den Eltern gut geht, geht es auch den Kindern gut (3). Dadurch wird eine wesentliche Tatsache deutlich: Als Eltern müssen wir uns um die Bedürfnisse unserer Kinder UND um unsere eigenen Bedürfnisse kümmern. Wir dürfen nicht nur, wir müssen uns also für unser eigenes Wohlbefinden einsetzen. Die Kunst, die richtige Balance zu finden zwischen den eigenen Bedürfnissen, denjenigen des Partners und denjenigen der Kinder, diese Kunst lernt und übt sich im täglichen Leben.

So beantwortet sich die Frage, wie eine gesunde Familienkultur aussehen kann, am ehesten daran, in welchem Maß den Bedürfnissen aller Familienmitglieder Raum gegeben werden kann, den Kindern, Eltern, Groß- und Urgroßeltern. Oft geht das nicht gleichzeitig. Es gilt vielmehr darauf zu achten: Alles zu seiner Zeit, jeder zu seinem Recht. Zunächst scheinen sich kindliche Bedürfnisse und elterliche Bedürfnisse – z. B. nach beruflicher Selbstverwirklichung – zu widersprechen. Nachweislich am glücklichsten und gesündesten sind jedoch die Familien, in denen beides gelingt, nur eben jedes zu seiner Zeit, und zwar so, dass es nicht auf Kosten der Bedürfnisse der anderen geht. Will man sich als Eltern in dieser Richtung um eine gesunde Familienkultur bemühen, ist aus unserer Erfahrung die Berücksichtigung eines wesentlichen Grundsatzes hilfreich, den wir gerne als „umgekehrten Generationenvertrag“ bezeichnen: Wir Eltern sind für die Bedürfnisse unserer Kinder zuständig und nicht umgekehrt. Es gehört also zum Elternsein dazu, sich dieser Aufgabe bewusst zu werden, den Spagat zwischen den eigenen und den kindlichen Bedürfnissen zu schaffen. Weder ist den Kindern und uns gedient, wenn wir als Eltern im Lebensalltag aufopferungsvoll „verbrennen“, noch können sich die Kinder frei entwickeln, wenn wir sie für unser eigenes Wohlergehen verantwortlich machen. Wie in einem Konzert, in dem mal die eine, mal die andere Stimme den Ton angibt, mal alle zusammenklingen, mal einige Pause haben, jede nach ihren Möglichkeiten, so geht es in der Familie mit den einzelnen Mitgliedern und ihren Bedürfnissen.

Zum Elternsein gehören Gefühle wie Überforderung, Ärger, Wut oder Frustration regelhaft dazu. Wir können sie als Wahrnehmungen annehmen und uns fragen, womit sie zusammenhängen. Die Kinder mögen Auslöser der Gefühle sein, sind aber nicht deren Ursache, welche eine subjektive ist und allein in uns liegt. So können wir als Eltern immer besser darauf achten, den Kindern unsere Gefühle nicht zum Vorwurf zu machen. Sätze wie beispielsweise „du machst mich krank“, „du bringst mich zur Verzweiflung“, „dir zuliebe habe ich meine Karriere geopfert“ usw. bewirken im Kind die erwähnten Schuldgefühle und können – nicht gleich, wenn sie uns einmal herausgerutscht sind und wir das richtig stellen können, aber sehr wohl, wenn sie wiederholt und ständig auftreten – zu Krankheit und lebenslangen problematischen Verhaltensweisen beim Kind führen.

Wunsch und Bedürfnis sind zweierlei

Bei der hier vertretenen Bedürfnisorientierung ist jedoch zu bedenken, dass Bedürfnisse nicht Wünschen oder Trieben gleichzusetzen sind. Es kann z. B. ein Elternteil den Wunsch haben, drei Stunden ungestört fernzusehen. Wenn das jedoch den Versorgungsnotwendigkeiten des Kindes widerspricht, muss der Wunsch zunächst zurückgestellt werden können. Hilfreich kann sein, sich zu fragen, welches Bedürfnis hinter dem vordergründigen Wunsch liegt und wann dieses erfüllt werden kann, ohne z. B. das Kind zu vernachlässigen oder die Beziehung zum Partner zu gefährden. Umgekehrt lernen die Kinder an unserem Vorbild, dass Wünsche nicht immer sofortige Erfüllung finden. Werden Bedürfnisse als bloße Wünsche fehlinterpretiert, droht Vernachlässigung. Werden aber Wünsche für Bedürfnisse gehalten, droht Verwöhnung.

Vier Lebensfelder

Zu der Frage, was die Grundbedürfnisse des Menschen sein könnten, gibt es viele Untersuchungen und Überlegungen (z. B. Maslow (4), Largo (5) usw.). Auch die anthroposophische Menschenkunde kann hierzu Orientierung geben. Wir erkennen den Menschen als ein geistiges Wesen, dessen Ursprung – wie alles Wesenhafte – im Geistigen liegt und der sich für das Leben auf der Erde in einen Körper begeben hat. Dieser Inkarnationsprozess vollzieht sich in drei Lebensfeldern, in denen der Mensch während des Erdenlebens eine gute Beheimatung braucht, um gesund seinen mitgebrachten Lebenszielen folgen zu können. Die drei Lebensfelder sind der eigene Körper (Eigenwelt), die räumliche Umgebung (Umwelt) und die soziale Gemeinschaft (Mitwelt). Zwei Aspekte begleiten den Inkarnationsprozess: Zum einen braucht das Kind die Zeit und die Gelegenheit, gut in den drei Lebensfeldern ankommen zu können, sich in ihnen zu beheimaten. Zum anderen braucht der erwachsene Mensch während seines ganzen Lebens Zeit und Gelegenheit, diese zu pflegen. Zu ihrer Wahrnehmung besitzt der Mensch verschiedene Sinnesbereiche. In der anthroposophischen Sinneslehre werden 12 verschiedene Sinne unterschieden, jeweils vier können den jeweiligen Lebensfeldern zu geordnet werden. Eigenwelt-Sinne sind: Tast-, Lebens-, Bewegungs- und Gleichgewichtssinn. Umwelt-Sinne sind: Riechen, Schmecken, Sehen und Wärmesinn. Mitwelt-Sinne sind: Hör-, Sprach-, Gedanken- und Ich-Sinn.

Ein viertes Lebensfeld, das unserer Pflege bedarf, ist unser geistiges Wesen, unsere geistige Heimat. Hier liegt das beherbergt, was wir mit unserer Sehnsucht nach Sinnhaftigkeit, nach Selbsterfüllung, nach Lebenszielen, nach Spiritualität, nach Schicksalsverständnis, nach Vertrauen, nach Zuversicht und nach innerer Kraft verbinden können. Wie das Kind aus dieser geistigen Welt heraus seine natürliche Kraft zieht und die drei irdischen Heimaten auffinden muss (Inkarnation), so ist es die Aufgabe des Erwachsenen, sich aus der Kraft der irdischen Heimaten heraus immer bewusster wieder mit seinem geistigen Ursprung zu verbinden (Erkenntnis, Initiation).

Die Frage nach den Bedürfnissen, um die wir uns im Sinne einer gesunden Familienkultur bemühen können, weist also in die Richtung: Was braucht der Mensch für ein gesundes Leben in diesen vier Lebensfeldern – leiblich, räumlich, sozial, geistig –, als Kind und als Erwachsener? Und wie geht dessen Berücksichtigung in das alltägliche Familienleben ein? Im Folgenden werden einzelne Aspekte exemplarisch behandelt.

Körperliche Bedürfnisse

Körperpflege, Ernährung, Bewegung und Schlaf, wie auch das Streben nach Behaglichkeit und sich in seinem Körper wohl fühlen können fallen in den Bereich der körperlichen Bedürfnisse. Für deren Erfüllung sorgen zunächst – je kleiner das Kind, umso mehr – die Eltern.

Baden/Waschen und Abtrocknen/Abrubbeln, Einreiben, Massieren, Einpucken oder Ankleiden spenden Behaglichkeit und Wohlgefühl, wenn sie mit achtsamer und liebevoller Zuwendung, in heiterer Stimmung und Freude, sowie im Respekt vor Eigenständigkeit und Mitwirkungsbedürfnis des Kindes gestaltet werden.

Allmählich erwirbt das Kind mehr und mehr die Fähigkeit zur Selbstregulation, d. h. die körperlichen Bedürfnisse wahrzunehmen und deren Pflege selbst zu übernehmen. Dies lernt es vor allem aus Nachahmung (Lernen am Modell) und Freude am Tun. Authentische Vorbilder einerseits, sowie Zeit und Raum andererseits benötigt das Kind, um die Dinge immer mehr selbst tun zu können. Das Grundbedürfnis des Kindes nach autonomer Bewegungsentwicklung, zum Beispiel, umschrieb Emmi Pikler mit dem treffenden Motto: „Lass mir Zeit, es selbst zu tun“.

Achtsamkeit übt der Erwachsene bei den täglichen Verrichtungen, Respekt zeigt er gegenüber Selbstwirksamkeitsbedürfnis und Entwicklungstempo des Kindes. Hilfreiche Unterstützer in diesem Lernprozess sind Rhythmus und Rituale – die beiden wirksamsten Stress-Präventions-Tools im Familienalltag überhaupt – und die Etablierung gesunder Lebensgewohnheiten. Da diese vom Kind nur durch das Vorbild erlernt werden können, ist es nötig, dass wir Erwachsene so gut es geht unser Leben entsprechend selbst gestalten – wodurch wir auch uns Gutes tun.

Chronobiologie, Rhythmus und Essen

Die erste Anlage physiologischer innerer Lebensrhythmen erfolgt über die Nahrungsaufnahme. Schon mit zwei bis drei Monaten bietet das Kind uns an, einen zwar variablen, doch klar orientierten Stillrhythmus aufzubauen. Das ist der Startpunkt für die Rhythmisierung aller physiologischen Körperprozessen zu einem sogenannten Zirkadianrhythmus, also einem Schwingen zwischen Aktivität und Ruhephase innerhalb von 24 Stunden (6). Es ist daher im Familienalltag sehr hilfreich, wenn es regelmäßige Essenzeiten gibt, möglichst auch am gleichen Ort; dass nicht beliebig oder häufig woanders oder unterwegs gegessen wird. Auch bedarf es beim Essen der ungeteilten Aufmerksamkeit. Wenn wir uns als Erwachsene beim Essen keinen Ablenkungen, keinen Nebenbeschäftigungen hingeben und die Handys außer Reich- und Hörweite liegen (am besten in einen anderen Raum), verlaufen die Mahlzeiten ruhiger und können besser verdaut werden.

Das Kind lernt sein Essverhalten allmählich selbst zu regulieren, wenn wir es in seiner Selbstwahrnehmung respektieren. Dafür sollten wir es nie zum Essen drängen. Essen erfolgt als regelmäßige Einladung, nicht unter Zwang. Das Kind soll auch nicht aufessen müssen, was es sich nicht selbst aufgetan hat. Gleichzeitig kann es an uns Erwachsenen erleben, dass wir nicht achtlos mit dem Essen umgehen. Übrig gebliebenes Essen wird z. B. weiterverwendet, evtl. vorhandenen Haustieren verfüttert oder dem Kompost zugeführt – je nachdem, was angebracht erscheint.

Selbstverständlich hat die Qualität des Essens wesentlichen Einfluss auf die lebenslange Gesundheit des Menschen. Wir können auf Vollwertigkeit und Nachhaltigkeit achten. Ebenso gehören fünf Portionen Gemüse und/oder Obst pro Tag dazu. Eine Portion ist, was in die jeweilige hohle Hand des Menschen passt. Und auch hier wirkt unser Vorbild, unser eigenes Essverhalten als Erwachsene gewohnheitsbildend auf das ganze Familiensystem ein.

Rituale

Kinder lieben Rituale. Rituale sind wiedererkennbare Signale, die Orientierung geben und Rhythmus fördern. Wenn das Ritual erklingt – z. B. ein Tischspruch vor dem Essen, ein Abendlied usw. – werden nachweislich innere Stoffwechselprozesse angeregt, z. B. Verdauungssäfte oder das Schlafhormon ausgeschüttet (7). Studien konnten zeigen, dass Tischgebete gesundes Essverhalten und Abendgebete gesunden Schlaf fördern (8). Das gilt überkonfessionell. Kinder tragen eine natürliche Religiosität in sich. Das kann beispielsweise in Dankbarkeit und Freude den kleinen alltäglichen Dingen gegenüber wahrgenommen werden. Wenn sie an uns Erwachsenen erleben, dass auch wir uns mit Ehrfurcht und Dankbarkeit dem Essen oder dem Schlaf zuwenden, dann entwickeln sie diese Qualitäten als innere Kraft. Kinder vergessen ein Ritual nicht. Wenn wir es mal vergessen im Alltag, erinnert uns das Kind sofort daran. Und wenn wir dann auf das Kind eingehen und der bekannte Essensspruch kommt, dann strahlt es über das ganze Gesicht, denn es weiß: „So ist es richtig, erst der Spruch und dann das Essen.“ Das ist Achtsamkeit. Kinder leben im Hier und Jetzt und sind darin Achtsamkeitskünstler. Familienkultur gestalten heißt auch, dass wir uns als Erwachsene von den Kindern immer wieder darauf hinweisen lassen können, dass wir auch mal innehalten, die Hetze herausnehmen aus den Abläufen, eben achtsam sind. So erfüllen wir nicht nur kindliche, sondern allgemeinmenschliche, also auch eigene Bedürfnisse.

Rituale erfüllen zudem Bedürfnisse, die aus der geistigen Herkunft, der geistigen Heimat des Menschen herrühren (viertes Lebensfeld). So kann das Feiern von Jahresfesten, Gottesdiensten usw. einerseits dem Bedürfnis nach Rhythmus und Ritualen entgegenkommen, andererseits das Bedürfnis nach dem Gefühl von Sinnhaftigkeit, von Zusammenhang, von Zuversicht, von Vertrauen in Herkunft und Zukunft erfüllen.

Schließlich wirken sich Rituale bis auf die soziale Gesundheit aus.

Als stärkster Voraussagefaktor für Friedfertigkeit im Erwachsenenalter kommt der Entwicklung von Dankbarkeit als innere Qualität eine zentrale Bedeutung für die individuelle wie gesellschaftliche Zukunft zu (9).

Schlafgewohnheiten

Der Schlaf stellt ein körperliches sowie ein seelisch-geistiges Bedürfnis dar. Im Schlaf regeneriert sich der Körper. Gleichzeitig verlässt die seelisch-geistige Wesenheit des Menschen ihren Körper und begibt sich unbewusst in ihre geistige Heimat. Für guten Schlaf brauchen wir ein Gefühl der Sicherheit, des Vertrauens. Ein Grundbedürfnis des Menschen dabei ist, dort aufzuwachen, wo er eingeschlafen ist. So festigt sich das Vertrauen, dass im Schlaf – wenn wir kein Bewusstsein, keine Kontrolle haben – mit uns nichts Beunruhigendes passiert. Um das Lernen zu können, darf dem Kind von Anfang an die Erfahrung geschenkt werden, bewusst miterleben zu dürfen, wenn es zum Schlafen gelegt wird. Zudem gilt auch beim Schlaf: Dem Kind wird regelmäßig die Gelegenheit zu Ruhe und Schlaf gegeben, in einladender Geste, ohne Druck auszuüben. Der Erwachsene gestaltet die Abläufe und Umgebung und möglicherweise braucht das Kind auch noch Begleitung, um zur Ruhe zu finden. Vor allem braucht es vom Erwachsenen die Zuversicht, dass sich der Schlaf einstellen wird. So bekommt das Kind die Möglichkeit zur freien Selbstregulation, erfährt auch hier Respekt gegenüber seiner Autonomieentwicklung. Schließlich gelingt auch Schlaf am besten, wenn wir ihm eine positive Grundhaltung entgegenbringen. So können wir das Kind in jeder Lebensphase, schon ab der ersten Lebenswoche, mit den Worten zum Schlafen legen: „… und nun darfst du schlafen“. Es darf, es muss nicht. So bekommen der Schlaf und auch der Schlafort eine positive Bewertung. Ebenso hilft es den Erwachsenen für den eigenen Schlaf, diese Stimmung in sich zu erzeugen. Dabei können eine Abendmeditation oder Abendgebet und eine Rückschau auf den vergangenen Tag in rückläufiger Reihenfolge die Schlafbereitschaft fördern (siehe auch unter https://www.anthromedics.org/PRA-0953-DE).  

Bewegung

Der Bereitstellung von Zeit, Gelegenheit und sicherer räumlicher Umgebung ist für die freie Bewegungsentwicklung des Kindes von wesentlicher Bedeutung. Sie wird an anderer Stelle ausführlich dargestellt.

Räumliche Bedürfnisse

Jeder Mensch bedarf eines sicheren Ortes, eines sicheren Fleckchens auf der großen, Stütze und Halt gebenden Erde, an dem er sich einrichten und zuhause fühlen kann. Dieser Ort gibt Hülle, Geborgenheit, Rückzugsmöglichkeit und im Idealfall Entlastung und Entspannung. Die Raumgestaltung trägt daher erheblich zu einer gesundenden Familienkultur bei.

Von der Qualität der Farbgebung hängt es ab, ob die räumliche Umgebung Wärme und Geborgenheit ausstrahlen kann. Eine beruhigende und ästhetisch ausgewogene Umgebung lässt die Stresshormone sinken.
Reizüberflutung vor allem im Bereich des Sehens und des Hörens, unter der heute die meisten Kinder leiden, sollten vermieden werden: grelle Farben und Plakate, Animationsgeräte (vom blinkenden Mobile bis zum Tablet oder Handy) oder ständige Musik- oder Filmberieselung, um nur einige zu nennen. Je mehr ein Kind durch äußere Seh- und Hörreize überfordert wird, umso weniger kann es die Fähigkeit zu Selbstwahrnehmung entwickeln. Auch ist es gut, wenn das Zimmer des Kindes nicht dem Lärm ausgesetzt ist. Zum Schlafen muss es zwar nicht unbedingt absolut ruhig und auch nicht stockdunkel sein. Umgebungsgeräusche des Familienalltags im Hintergrund können Kinder als beruhigend erleben. Jedoch sollten für eine tiefe Entspannung im Schlaf Licht und Lärm deutlich abgedämpft sein.

Zunächst braucht das Kind Zeit und Raum, um sich selbst zu entdecken und wahrnehmen zu lernen. Je besser dies gelingt, umso kräftiger ausgeprägt sind später im Leben Selbstfürsorge – Achtsamkeit sich selbst gegenüber –, Konzentrations- und Lernfähigkeit sowie Umweltbewusstsein – Achtsamkeit der Umwelt gegenüber – und die soziale Kompetenz – Achtsamkeit den Mitmenschen gegenüber.

Ein besonders guter Lernort hierfür ist die Natur. Kinder, die viel draußen spielen dürfen, sind in vielen Qualitäten gesünder: sowohl in der körperlichen Selbstwahrnehmung und der motorischen Entwicklung, des Lernvermögens und Gedächtnisses, wie auch des Immunsystems und der Resilienz (Widerstandsfähigkeit) (10).

Ordnung

In dem Motto „Ordnung ist das halbe Leben“ steckt Wahrheit. Eine gewisse Grundordnung im Haushalt, die den individuellen Bedürfnissen angepasst und nicht penibel oder gar steril sein sollte, aber doch so, dass sie Orientierung gibt, erleichtert nicht nur das Leben, sondern drückt auch Achtsamkeit gegenüber den Dingen und Räumen aus, die uns von der Erde zur Verfügung gestellt wurden. Dabei dient die Ordnung dem Leben und nicht umgekehrt. Es gibt dem Kind auch Sicherheit, wenn es weiß, wo die Dinge ihren Platz haben und verlässlich gefunden werden können. Besonders wichtig ist dies im Hinblick auf die Spielsachen. Hier kann man darauf achten, dass es nicht zu viele werden, dass es gerade immer so viele sind, wie das Kind noch überblicken und die Familie ohne Stress aufräumen kann. Wenn ein Vermüllen der Kinderzimmer durch übermäßiges Spielzeug vermieden wird, spielen die Kinder in der Regel auch deutlich kreativer. Manchmal möchten sie aufgebaute Spiellandschaften bis zum nächsten Tag stehen lassen. Es ist schön, wenn der Raum dafür vorhanden ist. Bemerkt man, dass die Spielaktivität mit dem Aufgebauten nachlässt – die Landschaft also vom Kind selbst nicht mehr gepflegt wird –, dann wird sie wieder abgebaut und aufgeräumt. So entsteht Raum für neues Spiel.

Bei der Auswahl der Spielsachen kann darauf geachtet werden, dass die Sinne des Kindes in ihrer Gesamtheit angesprochen werden können, was sie in ihrer Entwicklung am stärksten anregt. Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass je mehr Sinnesqualitäten bei einer Tätigkeit zusammenwirken,  umso stärker sich die Vernetzungen im Gehirn und damit Lernfähigkeit und Gedächtnis bilden (11). Dies gelingt am besten, wenn Spielsachen, die die Sinne täuschen, vermieden und natürliche Materialien bevorzugt werden. Spielzeug ist dann am besten, wenn sich das Kind damit allein oder mit anderen zusammen eine gewisse Zeit selbständig und kreativ beschäftigt. Unter diesen Gesichtspunkten kann es auch immer dem individuellen Entwicklungsalter des Kindes angepasst werden. Dabei kann als Orientierung gelten, dass ein Spielzeug nie mehr tun soll als das Kind, das Kind also den aktiven, kreativen Part behält.

Soziale Bedürfnisse

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Sein Leben ist von Anfang an auf Kooperation und Gemeinschaft ausgelegt. Die Fähigkeiten der Menschen sind so vielfältig und unterschiedlich verteilt, dass sich erst durch ihr Zusammenwirken die Schaffens- und Wirkungskraft der Menschheit ergibt und entfalten kann. Dies gilt im Großen wie im Kleinen, in der Familie.

Nicht nur die körperliche und seelische Gesundheit hängen nachweislich von der Qualität der sozialen Bindungen und Beziehungen im Leben ab, sondern auch die Lebenszufriedenheit des Menschen als Ganzes (12). Die soziale Kompetenz, also die Fähigkeit, soziale Beziehung zu gestalten, lernt der Mensch in der Kindheit – und zwar vor allem daran, wie seine Bezugspersonen mit ihm in Beziehung getreten sind. Der frühe Bindungsaufbau beginnt gleich nach der Geburt. Zunächst will das Kind Bindungsvertrauen zu einer Bezugsperson, der primären Bindungsinstanz im Sinne der Bindungsforschung, aufbauen. Das ist, wenn sie zur Verfügung steht, in der Regel die leibliche Mutter. Später kommen der Vater (Ende des ersten, Anfang des zweiten Lebensjahres) und dann andere Bezugspersonen wie Großeltern, Tanten, Onkel usw. hinzu (13). Sie sind dem Kind schon früher bekannt, aber das intensive Vertrauen, das zunächst die Mutter erfährt, wird ihnen erst später entgegengebracht. Es fußt auf zwei wesentliche Erfahrungen, die essenziell sind: Zum einen „da ist jemand, der immer besser wahrnimmt und erfüllt, was ich brauche (meine Bedürfnisse), unabhängig davon, wie er sich selbst fühlt oder wie ich mich gerade verhalte“ und zum anderen „da ist jemand, der mich als Person wahrnimmt, der auf mich reagiert, sich mir zuwendet, der mir Aufmerksamkeit, Interesse und Wertschätzung schenkt, der mir hilft, die Welt und mich selbst immer besser zu verstehen“. Die erste Fähigkeit oder Qualität nennt die Bindungsforschung „Feinfühligkeit“, die zweite „emotionale Verfügbarkeit“ (14). Alles umfassend ist es die Qualität, die einzig Eltern oder elterngleiche Ersatzpersonen ihren Kindern geben können und die Jorge Bucay „bedingungslose Liebe“ nennt (15). Eine Liebe, die sich dadurch auszeichnet, dass sie verlässlich ist, dass um sie nicht geworben werden muss, dass sie Verhalten und Person stets trennt, dass der Mensch auch in der späteren Kindheit, im ganzen späteren Leben darauf bauen kann, dass sie nie aufhört, unabhängig von allem, was auch immer geschehen mag. Wohl und geborgen fühlt sich der Mensch in der Familie, wenn er weiß: Hier darf ich sein wie ich bin. Hier muss ich mich nicht verstellen, hier darf ich auch frustriert und unvollkommen sein, ohne dass ich abgelehnt werde oder mich gleich verändern muss. 

Folgend einige Anregungen, wie eine die Gesundheit fördernde Beziehungsgestaltung im Familienalltag erfolgen kann.

Kommunikation

An erster Stelle steht die Kommunikation. Sie ist Voraussetzung für eine gelingende Beziehung. Wenn wir sie achtsam, liebevoll, respektvoll, wertschätzend, urteilsfrei und authentisch gestalten, dann ist sie die Basis für ein erfüllendes soziales Miteinander. Positive Formulierungen, Vermeiden von sogenannten „Du-Botschaften“ („du bist aggressiv“, „du hast das kaputt gemacht“, „du machst mich noch irre“ usw.) und – ganz wesentlich – Kongruenz (Übereinstimmung von Sprache, Gestik, Mimik und Intonation) schaffen im Gegenüber Vertrauen, vermitteln ihm Anerkennung und spenden Wohlgefühl. Stress bewirkt das Gegenteil. Segensreich ist, sich schon von der ersten Lebenszeit des Kindes an anzugewöhnen, alles was mit ihm oder für es getan wird, anzukündigen bzw. zu erzählen. Liebevolles Erzählen dessen was man tut, fördert nicht nur die Bindungssicherheit, sondern auch die Sprachentwicklung des Kindes. Sorgenvolle Sprache und kausale Erklärungen bewirken Angst. Kinder, denen zu früh (im Vorschulalter) schon viel erklärt wird (intellektualisierter Erziehungsstil), sind oft deutlich ängstlicher als andere und bleiben dies ein Leben lang (16). Erklärungen stellen kausale Bezüge her, die das kleine Kind im Hinblick auf seine Lebenssituation nicht relativieren und daher als bedrohlich erleben kann. Vertrauen in die Welt lernt das Kind, wenn die Erwachsenen ihm zunächst erzählen, wie die Welt ist und nicht erklären, warum.

Regeln und Verabredungen als Orientierung

Das Zusammenleben von Menschen - auch in der Familie - wird durch Regeln und Verabredungen erleichtert. Diese sollten sich aus den Lebensbedürfnissen heraus ergeben. Marshall Rosenberg vermeidet dabei sogar den Begriff Regel. Ein Zitat von ihm ist: „Sie können es Regeln nennen, ich nenne es Bedürfnisse“ (17). Zudem sollten sie den aktuellen Notwendigkeiten entsprechen. Es bedarf also immer wieder ihrer Anpassung. Dazu eignet es sich, hin und wieder eine Familienkonferenz abzuhalten, an der auch die Kinder je nach Alter teilnehmen. Bei Konflikten und Unklarheiten kann sie von jedem Familienmitglied einberufen werden. Verabredungen und Regeln haben nur Sinn, wenn sie machbar sind. Für das Bindungsvertrauen in Familien ist es besonders wichtig, dass getroffene Verabredungen und festgelegte Regeln tatsächlich auch eingehalten werden.

Körperliche Nähe und Sexualität

Zur gesunden Beziehung innerhalb der Kernfamilie gehört auch körperliche Nähe. Kinder lieben es beispielsweise, wenn sie von ihren nahen Bezugspersonen gestreichelt, umarmt oder geküsst werden. Diese Liebkosungen vermitteln einerseits Selbstwahrnehmung, andererseits ein intensives, bis in die körperliche Lebenssphäre reichendes Zusammengehörigkeitsgefühl. Darüber hinaus fördern sie gesundes körperliches Wachstum und Gedeihen, was bis ins Tierreich hinein bewiesen werden konnte (18). Allerdings ist immer darauf zu achten, dass sie von beiden Seiten gewünscht sind. Nie darf körperliche Nähe gegen den Willen des anderen erzwungen werden. Das gilt insbesondere für Erwachsene gegenüber Kindern und für Erwachsene untereinander. Worte wie: „Nun gibt der Tante doch einen Kuss!“ oder „Nun hab Dich nicht so!“ sowie entsprechende Aufforderungen stellen bereits eine Übergriffigkeit da und können die kindliche Seele erheblich belasten. Umgekehrt dürfen auch Eltern ihren Kindern vermitteln, wenn ihnen deren körperliche Nähe gerade unangenehm ist. Jedoch sollte dies nur ausnahmsweise vorkommen. Wird das Kind zu viel zurückgewiesen, so wird es traurig, fühlt sich ungeliebt und kann keine sichere Bindung aufbauen. Gleichzeitig ist es wichtig und positiv, wenn in der Familie Respekt gegenüber körperlicher Grenzsetzung vorbildhaft erlernt werden kann.

Für Kinder ist es auch schön und durchaus beruhigend, wenn sie erleben dürfen, dass sich ihre Eltern lieben und einen liebevollen Umgang pflegen. Daher dürfen sich Eltern vor ihren Kindern natürlich umarmen, küssen, liebkosen und ihre Wertschätzung zeigen. Dies gilt nicht unbedingt für sexuelle Handlungen. Es kann Kinder verstören und verängstigen, wenn sie ihre Eltern in einem Ausnahmezustand erleben, in dem sie nicht ansprechbar sind. Es ist daher gut, wenn die Eltern den richtigen Zeitpunkt wählen und einen schützenden Rahmen gestalten, wie z. B. eine verschlossene Tür, um beim Geschlechtsverkehr ungestört zu sein. Andererseits sollte nicht aufgeregt, mit Peinlichkeit oder mit Erklärungen reagiert werden, wenn das Kind von dem Geschlechtsverkehr der Eltern etwas miterlebt hat.

Paarbeziehung der Eltern

Die Paarbeziehung der Eltern bedarf im Familiensystem ihrer eigenen Pflege. Diese Beziehungsebene bestand schon vor der Elternschaft, ist die Voraussetzung für Elternschaft und besteht unabhängig von ihr weiter. Sie ist das Fundament der ganzen Familie und damit eigentlich ihr höchstes Gut. Fühlen sich die Eltern als Paar miteinander wohl, dann geht es in der Regel der ganzen Familie gut. Eltern sollten daher immer wieder Zeit für sich und ihre Partnerschaft einplanen, sich einander vom Tag, von ihren Erlebnissen, ihren Sorgen, Nöten und Freuden erzählen, abends hin und wieder ausgehen und sich Gelegenheit für körperliche Nähe schenken. Die Paarbeziehung gelingt dann am besten, wenn sie auf geistig-ideeller, auf seelischer und auf körperlicher Ebene Pflege erfährt. Nach Biddulph können die Schlüssel für gelingende Paarbeziehungen auch so ausgedrückt werden: Wertvorstellungen austauschen, Liebe und Interesse zeigen, körperliche Nähe ermöglichen (19). Paarbeziehungen sind dann am stabilsten, wenn sie drei Qualitäten beinhalten: Ehrlichkeit, Liebe und Respekt (20). Für Eltern können diese Erkenntnisse Leitbild und Richtschnur werden.

Mehrgenerationen-Haushalte

Um eigenen Bedürfnissen nachzugehen, benötigen die Eltern Unterstützung in der Betreuung ihrer Kinder. Babysitter und Tagesbetreuung sind dann schadlos möglich, wenn das Grundvertrauen in die familiären Bindungen gefestigt ist. Großeltern stellen hier eine große Ressource dar und sind ein Glück für jede junge Familie, wenn sie in der Nähe sind und primär aus Liebe und nicht aus Eigennutz Unterstützung geben können. Dies kann auch für andere Personen gelten. Mit etwa einem Jahr kann das Kind in der Regel mit einer dann schon vertrauten Person einige Stunden ohne die Mutter (primäre Bindungsperson) bzw. ohne die Eltern verbringen.
Die gesundende Wirkung zeigt sich auch daran, dass Menschen, die Kinder haben, und Senioren, die in Familie oder Freundschaften sozial eingebunden sind, eine höhere Lebenserwartung haben als andere (21).

Gemeinsame Erlebnisse

Was Bindungen noch weiter stärkt, sind gemeinsame positive Erlebnisse. Wenn die ganze Familie zusammen etwas gerne macht, werden Freude, Gesundheit, Wohlgefühl und Zuversicht gefördert – wie z. B. Spielabende, Ausflüge, Vorlesestunden, Feste, Urlaub usw. Bei Problemen oder Konflikten zwischen Eltern und Kindern helfen Einzel-Beziehungszeiten. Mutter oder Vater nehmen sich verlässlich und regelmäßig – z. B. einmal in der Woche, einmal alle zwei Wochen, je nach Möglichkeit – für eines ihrer Kinder einige Stunden Zeit. Voraussetzungslos, ohne Erwartungen, Pläne oder Attraktionen, erfährt das Kind Zuwendung und Interesse. Das Kind darf im Rahmen des Möglichen selbst entscheiden, was getan wird. So werden gemeinsame Gespräche und Erlebnisse ermöglicht, die ggf. verlorenes Vertrauen wiederherstellen und wohltuend auf die kindlichen und elterlichen Seelen wirken können.

Spirituelle Bedürfnisse

Zur Pflege dieser bereits eingangs beschriebenen Lebensbedürfnisse tragen unter anderem Rituale, Gebete, Jahresfeste, Gottesdienste, Märchen, lehrreiche Geschichten, Zeit für Meditation und innere Versenkung bei. Sie helfen dem Menschen, sich in Verbindung zu halten zu sich selbst, seiner geistigen Herkunft und dem ihn umgebenden Kosmos. Sie stärken das Vertrauen und die Gewissheit, getragen zu sein.

In jeder Nacht begeben wir Menschen uns mit unserem seelisch-geistigen Wesen in die geistige Welt. Aus ihr können wir Kräfte und Impulse für das Leben am Tag schöpfen. So kann es zur hilfreichen Gewohnheit werden, eine Frage mit in den Schlaf zu nehmen, z. B. bei Sorgen und Konflikten mit einem Kind oder dem Partner. Am Morgen wird uns nicht unbedingt gleich die Lösung einfallen, jedoch können wir versuchen, wie lauschend durch den Tag zu gehen und zu erspüren, ob sich etwas verändern, ob sich eine Lösung, eine neue Idee ankündigen will.

Rudolf Steiner beschreibt sehr konkret drei Engelwesen, die sich durch positives menschliches Verhalten tagsüber in der Nacht angesprochen fühlen und uns dadurch die geistigen Kraftquellen das ganze weitere Leben zu Verfügung stellen, aus denen heraus sie die Entwicklung der ersten drei Lebensjahre des Menschen im Gehen, Sprechen und Denken ermöglichten. Wir können also auch durch unser Verhalten im Alltag unsere spirituelle Daseinsebene pflegen. Steiner formuliert es so: „Menschenfreundliches Tun in der Achtung des anderen Menschen als Geistwesen“ am Tag fördert den nächtlichen Austausch mit den Archai, den Geistern der Persönlichkeit. „Idealistisch-wohlwollende Gesinnung dem anderen Menschen gegenüber in der Sprache“ fördert diesen Austausch mit den Archangeloi, den Erzengeln, und „Idealismus und Spiritualität im Denken“ mit den Angeloi, den Engeln (22).

Achten wir also in dieser Hinsicht auf unser Handeln, Sprechen und Denken, dann ermöglichen wir viel Gutes. Dies kann als eine Tatsache erlebt werden, auf die auch Gandhi und viele andere Eingeweihte hingewiesen haben.

Abschließend können wir sagen: Urvertrauen bringt der Mensch mit auf die Erde, Selbstvertrauen kann er auf der Erde entwickeln, Gottvertrauen hält ihn am Leben. In der Familie können wir uns bemühen, alle drei Vertrauenskräfte zu pflegen und zu erhalten.

1 DAK Forschung. Gesundheitsreport 2014. Gesundheit im Spannungsfeld von Job, Karriere und Familie. Hamburg: Deutsche Angestellten Kranlenkasse; 2014. Verfügbar unter https://www.dak.de/dak/bundesthemen/gesundheitsreport-2014-2119690.html#/ (20.8.2021).

2 Siehe z. B. Glöckler M. Salutogenese. Wo liegen die Quellen leiblicher, seelischer und geistiger Gesundheit? Erziehungskunst o.J. Verfügbar unter https://www.erziehungskunst.de/fileadmin/archiv_alt/2003/p003ez0503-563-571-Gloeckler.pdf (20.8.2021).

3 Robert Koch-Institut. KIGGS-Welle 2. Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KIGGS). Erhebung 2014 – 2017. Verfügbar unter https://www.kiggs-studie.de/deutsch/studie/kiggs-welle-2.html (20.8.2021).

4 Siehe z. B. Pauen S. Signale beim Säugling. Was ist normal? Was ist auffällig? Sozialpädiatrischer Nachmittag, Augsburg 2016. Consilium Pädiatrie 2016;1:7-10.

5 Siehe z. B. https://largo-fitprinzip.com/fit-prinzip.html (20.8.2021).  

6 Chronobiologie. Unser innerer Rhythmus. Spektrum der Wissenschaft Kompakt vom 19.3.2018.

7 Siehe z. B. Grässer M, Hovermann E. Kinder brauchen Rituale. Hannover: Humboldt Verlag 2015:54.

8 Feld M, Young P. beurer Schlafatlas 2017. So schläft Deutschland. München: Südwest Verlag; 2017.  

9 Willberg HA. Dankbarkeit. Grundprinzip der Menschlichkeit – Kraftquelle für ein gesundes Leben. Berlin, Heidelberg: Springer; 2018.

10 Flade A. Zurück zur Natur? Erkenntnisse und Konzepte der Naturpsychologie. Berlin, Heidelberg: Springer; 2018.

11 Siehe z. B. Auer WM. Sinnes-Welten. Die Sinne entwickeln, Wahrnehmung schulen, mit Freude lernen. München: Kösel-Verlag; 2007.

12 Siehe z. B. Spitzer M. Einsamkeit, die unerkannte Krankheit. München: Droemer HC; 2018.

13 Siehe z. B. Brisch KH. Bindungsstörungen. Von der Bindungstheorie zur Therapie. 17. Aufl. Stuttgart: Klett-Cotta; 2020.

14 Saunders H, Kraus A, Barone L, Biringen Z. Emotional availability: theory, research, and intervention. Frontiers in Psychology 2015;6:1069. DOI: https://doi.org/10.3389/fpsyg.2015.01069. [Crossref]

15 Bucay J, Bucay D. Eltern und Kinder. Vom Gelingen einer lebenslangen Beziehung. 2. Aufl. Frankfurt: S. Fischer Verlag; 2018.

16 Siehe auch Steiner R. Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft. 8. Aufl. Basel: Rudolf Steiner Verlag; 2020.

17 Seminar mit Marshall Rosenberg, Gewaltfreie Kommunikation, Urania, Berlin im Juni 2007.

18 McGlone F, Wessberg J, Olausson H. Discriminative and affective touch: sensing and feeling. 2014;82(4):737-755. DOI: https://doi.org/10.1016/j.neuron.2014.05.001. [Crossref]

19 Biddulph S, Biddulph S. Wie die Liebe bleibt. Über die Kunst, ein Paar und Mann und Frau zu sein. 3. Aufl. München: Heyne Verlag; 2003.

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