Kaiserschnitt – Informationen und Empfehlungen für Eltern

Da Ihr Kind per Kaiserschnitt geboren wurde oder geboren werden soll, wollen wir Ihnen einige Gedanken für den Umgang mit dieser besonderen Situation mit auf den Weg geben. 

Natürlich sind die zum Kaiserschnitt führenden Gründe und die damit verbundenen Bedürfnisse des Kindes und der Eltern sehr unterschiedlich. Wir möchten Sie deshalb ermutigen, selbst herauszufinden, was für Sie und Ihr Kind sinnvoll und hilfreich sein kann.

In vielen Fällen ist der Kaiserschnitt eine Lösung aus einer akuten geburtshilflichen Krise. Dabei bleibt für die Eltern meist wenig Spielraum, die Bedingungen für die Geburt zu verändern. In dieser Situation kann nach der Geburt darauf hingewirkt werden, dass Eltern und Kinder das Erlebte verarbeiten und nicht Erlebtes nachholen.

Vor dem Kaiserschnitt

Hier einige Gesichtspunkte, die vorab mit der Geburtsklinik besprochen werden können:

  • Wehen: Sie können in Absprache mit Ihrer Geburtsklinik versuchen, den spätmöglichsten Zeitpunkt und – im optimalen Fall – den spontanen Wehenbeginn abzuwarten.
    Das Eintreten der Wehentätigkeit scheint zu signalisieren, dass das Kind für die Geburt bereit und ausreichend für die notwendigen Anpassungsvorgänge vorbereitet ist. Die Wehentätigkeit gibt dem Kind wichtige Impulse.

  • Antibiotikagabe: Aus zahlreichen Studien ist bekannt, dass eine routinemäßige Gabe von Antibiotika unter der Geburt das Mikrobiom des Kindes über Jahre schädigen und mit einer Anzahl von Krankheiten in Zusammenhang gebracht werden kann. Auch gehen sie in die Muttermilch über und verändern deren Zusammensetzung. 
    In vielen Fällen kann auf Antibiotika verzichtet werden. Wenn nicht, ist es sinnvoll, diese erst nach Abnabelung des Kindes zu verabreichen. So wird das kindliche Mikrobiom weniger beeinträchtigt.
  • Mikrobiom: Der für die Entwicklung des kindlichen Mikrobioms wichtige Kontakt mit der Keimwelt der mütterlichen Scheide findet beim Kaiserschnitt nicht statt. Studien deuten darauf hin, dass dies mit Nachteilen für die Gesundheit des Kindes verbunden ist. Möglicherweise kann man diesen Nachteil durch ein einfaches Einstreichen des Kindes mit einem mit mütterlichem Vaginalsekret getränkten Tupfer ausgleichen. Dies können Sie vor der Geburt erfragen.

  • Bindung: Eine frühe Kontaktaufnahme von Haut zu Haut direkt nach der Geburt ist für die Beziehungsaufnahme wichtig und stärkt das Kind lebenslang.
    Deshalb gilt beim Kaiserschnitt das gleiche wie bei der vaginalen Geburt: Am besten ist es, wenn das Kind möglichst bald und ohne Zwischenstation über dritte Personen in direkten Haut- und Blickkontakt mit der Mutter kommen kann.
    Dies ist heute in den meisten Fällen möglich und sollte von allen Beteiligten angestrebt werden. Ruhe, kein grelles Licht und eine harmonische, warme Atmosphäre können auch im Operationsaal hergestellt werden, wenn eine Aufmerksamkeit dafür vorhanden ist. 

  • Stillen: Gerade für per Kaiserschnitt geborene Kinder ist Muttermilch wichtig. Ein möglichst frühes Anlegen sollte ermöglicht werden. (Siehe auch den Beitrag «Das Stillen» https://www.anthromedics.org/PRA-0859-DE.) 
    Zusätzlich kann vor der Geburt so genannte „Vormilch“ (Kolostrum) aus der mütterlichen Brust ausgestrichen werden. Damit ist die erste Milchaufnahme geschmacklich und inhaltlich frei von Medikamenten, die der Mutter im Rahmen der Operation verabreicht werden. Ein frühes Anlegen schon im Operationssaal sollte ermöglicht werden.

Nach dem Kaiserschnitt

  • Durch Kaiserschnitt geborene Kinder konnten sich nicht aus eigener Kraft an die veränderte Haltung ausserhalb der schützenden Gebärmutter anpassen und benötigen einen langsamen Übergang. Deshalb liegen sie lieber in Embryonalstellung als in Streckung.

  • Bei anhaltenden Haltungs- oder Verhaltensauffälligkeiten kann eine frühe osteopathische Vorstellung und Therapie angezeigt sein.

  • Insgesamt sollte in den ersten Wochen auf eine warme einhüllende Umgebung geachtet werden, um das abrupte Herausgerissen werden aus der schützenden mütterlichen Hülle zu kompensieren.

  • In jedem Fall sollten Sie um ein Nachgespräch mit den bei Ihrer Geburt anwesenden Ärzten und Hebammen bitten. Bei einigen Eltern kann dieser besondere Weg Schuldgefühle oder traumatische Belastungsstörungen auslösen. In diesem Fall können therapeutische Gespräche hilfreich sein.

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