Künstlerische Therapien

Therapeutisches Zeichnen, Malen und Plastizieren

Heike Stenz, Cristina Mösch, Juliane Staguhn, Georg Hegglin, Andrea Ritter

Ein grundsätzliches Therapieziel ist hier die Verstärkung der formenden Kräfte durch konsequentes und bewusstes Durchgestalten der Patientenarbeit.  

Im Zeichnen

  • Mit Kohle arbeiten, nicht allzu sehr vermischt.
    Einfache Aufgaben, eher kleines bewältigbares Format. Komposition von Licht und Finsternis in verschiedenen Stufen. Mehr Abgrenzungen als Übergänge.
  • Unterscheidungen treffen. Durcharbeiten, lebendig durchformen.
  • Schraffieren, darin einen Ich-Rhythmus finden, jeden Strich als eine Ich-Tat erleben.
    Klare Strukturen wirken reinigend und formend.
  • Keine Flechtbänder, keine großen Bewegungen, sondern z. B. Fünfstern, Sechsstern.  

Im Malen

  • Malen mit trockener Pastellkreide.
    Die gesamte Farbfläche kann einen „ausatmenden“ Ausdruck bekommen. Die Ein- und Ausatmung im malerischen Prozess wahrnehmen.
  • Konzentriertes, seelisch bewusstes Umgehen mit Farben, vor allem mit Blau, Violett, Rosa.  
  • Vielfältige Grüntöne ermalen, die durch Einsetzen von Blau getragen werden.
    Grün hat eine beruhigende Wirkung, zeigt sich als untergetauchtes, gebundenes Licht.
  • Dialoge mit Komplementärfarben.
    Das Wie ist hier entscheidend: konzentrieren, zusammenziehen, ordnen.
  • Frage nach dem, was welche Farbe braucht.
    Verdichten und Komponieren als eine Anregung der Ichtätigkeit.
  • Festigende Prinzipien unter Betonung des gestalterischen Elementes berücksichtigen, dabei ein gesundes Atmen anregen.

Im Plastizieren

  • Im Gleichgewicht zwischen Innen und Außen eine Form finden. 
  • Schalenform, in der Hand plastiziert als hoch geschlossene, konvexe, Hülle bildende Form.
    In der Hand gebildete Formen wirken Kräfte aufbauend, sind eher klein, man ist näher an ihnen dran.
  • Je nach Konstitution des Patienten einfache Platonische Körper, z. B. der Würfel (von der Kugel ausgehend gestaltet).

Musiktherapie

Viola Heckel

Der entzündlich-auflösenden Geste der Diarrhoe wird mit einer musikalischen Qualität begegnet werden, die ein Gefühl von „Bei-sich-sein“ vermittelt,

  • z. B. durch entsprechende Hörübungen oder aktive Musiktherapie.
  • Tiefe Gongklänge, aus dem Umkreis gespielt, gefolgt von Zimbelspiel,
    regen über die rhythmische Spielgebärde der Arme zwischen Zentrum und Umkreis ein ganzheitlich durchschwingendes Klangerleben an, einhergehend mit dem Gefühl von Erkraftung.

Therapeutische Sprachgestaltung

Barbara Ziegler-Denjean

Bei der Diarrhö sind die Formkräfte in der Verdauungsorganisation zu wenig wirksam. Dies zeigt sich beim Patienten durch ein zu helles und festes Vokalisieren: die Sprache wird nicht ganzheitlich ergriffen, verinnerlicht und abgegeben.

  • Eine spontane, tiefe Einatmung und klare, konsonantische Strukturen führen zu einer Durchwärmung und Gestaltung des Stoffwechsels.
  • Dabei ist es gut, möglichst viele sprachliche Elemente mit den Füßen zu unterstützen,
    z. B. durch ruhiges Silbenschreiten, sorgfältiges Abrollen der Füße, kurzes Stampfen vor dem Sprechen und einem energischen Aufsetzen der Fersen in Kombination mit den Gaumenlauten G und K.
    Auch hier ist der hintere untere Raum wieder zu integrieren: die Hände können, mit Betonung auf den Handwurzeln, seitlich am Unterleib vorbei nach vorne gestoßen werden.
  • Besonders gestaltend wirkt das G. Geeignete Sprachübungen sind:

    Ganz gerne gehen

    Grau Gries Granat Graupe
    Greulich ist das (1, S. 87)

    Dass er dir log uns darf es nicht loben (1, S. 15)

    Diese Übung sehr sorgsam vorwärts und rückwärts im Silbenschritt gelaufen und gesprochen, bringt Halt und Ordnung, wie überhaupt auf eine gut geformte Artikulation und klare Vokale geachtet werden sollte.

  • Als Textarbeit empfiehlt sich epische Dichtung, aus der ruhigen Anschauung heraus gestaltet.

1 Steiner R. Methodik und Wesen der Sprachgestaltung. GA 280. 4. Aufl. Dornach: Rudolf Steiner Verlag; 1983.