Ein Kind oder ein Erwachsener hat akute Ohrenschmerzen (akute Otitis)

Patienteninformation

Einführung

Akute Ohrenschmerzen sind bei kleinen Kindern häufig. Es gibt zwei Hauptgründe:

  • Mittelohrentzündung (Otitis media)
  • Infektion des äußeren Gehörgangs (Otitis externa)

Eine Gehörganginfektion ist nach dem Schwimmen in einem Schwimmbad („Pool-Otitis“) im Sommer und in warmen Ländern relativ häufig. Diese Form der Entzündung fällt nicht in den Geltungsbereich dieser Empfehlungen. Eine akute Mittelohrentzündung tritt in der kalten Jahreszeit häufiger auf. Bei Kleinkindern und älteren Patienten können Symptome einer Infektion der oberen Atemwege (z. B. Schnupfen) und Fieber (im Kindesalter) auftreten. Die Beschreibung der Mittelohrentzündung steht hier im Mittelpunkt.

Was sind die Symptome einer akuten Mittelohrentzündung?

  • Plötzliche Schmerzen an einem oder beiden Ohren sind das Hauptsymptom.

Andere Symptome können gleichzeitig auftreten:

  • Fieber
  • Reizbarkeit
  • Wimmern, Unruhe (besonders nachts)
  • Berührungsempfindlichkeit (Ohren und Kopf)
  • Hörminderung
  • Appetitlosigkeit
  • Schnupfen, Husten.
  • Bei Perforation des Trommelfells nehmen die Schmerzen deutlich ab.

Eine Mittelohrentzündung sollte in der frühen Kindheit besonders ernst genommen werden, wenn der Allgemeinzustand des Kindes erheblich beeinträchtigt ist. Dies sollte von einem Arzt begleitet werden.

Im Erwachsenenalter sind die folgenden Symptome eindeutig wegweisend:

  • Ohrenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Hörverlust

Was ist wichtig zu wissen?

  • Eine schlechte Belüftung des Mittelohrs mit eingeschränkter Nasenatmung kann zu Entzündungen führen.
  • Auffällige Symptome dauern normalerweise 3 – 4 Tage.
  • Anthroposophische Heilmittel und externe Behandlungen sind wirksam und sicher.
  • Akute Entzündungen werden in den meisten Fälle durch Viren verursacht. Antibiotika sind bei bakteriellen Komplikationen angezeigt (schwerer Ablauf, länger als 3-4 Tage anhaltend).

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Wenn das Kind mit Otitis jünger als 1 Jahr alt ist.
  • Der Allgemeinzustand beeinträchtigt ist oder sich verschlechtert.
  • Aus dem Gehörgang läuft Flüssigkeit (Perforation des Trommelfells).
  • Trotz Therapie zeigt sich innerhalb von 3 Tagen keine Besserung.

Nachsorge

3 – 4 Wochen nach Abklingen der akuten Symptome wird eine orthoskopische Nachuntersuchung des Mittelohrs, die Kontrolle der Belüftung und ein Hörtest (mindestens ein bilateraler Flüstertest) empfohlen.

Was ist eine akute Mittelohrentzündung (akute Otitis media)?

Säuglinge und Kleinkinder sind aus anatomischen Gründen besonders anfällig für die Entwicklung einer akuten Otitis media. Nach der Geburt wird das Mittelohr schrittweise über die Eustachische Röhre beatmet. Dieser Prozess ist sehr individuell.

In den meisten Fällen geht der Verlegung der Eustachischen Röhre eine Schwellung der Nasenschleimhaut voraus. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist dies normalerweise das Ergebnis einer Unterkühlung oder einer Atemwegsinfektion. Mit zunehmendem Alter spielt eine allergische Entzündung der Atemwege eine Rolle.

Die Disposition für eine akute Otitis media ist insbesondere bei einer Vergrößerung der Rachenmandeln erhöht.

Zu den Risikofaktoren zählen Schnuller, Frühgeburt, Passivrauchen, niedrige Luftfeuchtigkeit und Temperatur, Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Stillen dagegen wirkt vorbeugend.

Mittelohrentzündung aus Sicht der Anthroposophischen Medizin

Einsetzend mit dem ersten Atemzug bei der Geburt, werden das Mittelohr und Teile des dahinter liegenden Knochens (Mastoid) zunehmend belüftet, also pneumatisiert. "Pneuma" ist griechisch ein Begriff für "Seele".

Eine gestörte Nasenatmung und jede länger laufende Nase behindern die nötige Belüftung des Mittelohrs. Dies kann auch das Gehör beeinträchtigen, das für die sprachliche und geistige Entwicklung des Kindes erforderlich ist.

Die anfängliche Belüftung des Mittelohrs muss im Säuglings- und Kleinkindalter immer wieder erreicht werden. Dieser Prozess sollte bis zur Pubertät abgeschlossen sein.

Ein chronischer Erguss im Mittelohr entspricht einem Rückfall in ein früheres Entwicklungsstadium, als das Mittelohr noch nicht ausreichend pneumatisiert war. In diesem Zustand können sich Viren und Bakterien leichter vermehren. Während einer akuten Entzündung versucht der Organismus, das Fremde durch seine eigene Aktivität zu überwinden.

Ganzheitliche Behandlungsansätze zielen darauf ab, Patienten in ihrer eigenen Aktivität zu unterstützen. Bei der akuten Otitis media handelt es sich in erster Linie um den Prozess der regulierten Entzündung und Belüftung. Die Aufrechterhaltung des Wärmeorganismus und ein verantwortungsbewusstes Fiebermanagement sind unerlässlich.

Therapie

Konventionelle Therapie

Wenn der Krankheitsverlauf unkompliziert ist, beschränkt sich die konventionelle Behandlung auf aufmerksames Abwarten, Nasenhygiene und Schmerzlinderung mit fiebersenkenden Arzneistoffen (Antipyretika).

Eine Otitis media wird normalerweise nicht durch Bakterien verursacht, insbesondere bei Kindern. Nicht indizierte Antibiotika schwächen den Lebensprozess des Organismus, beeinträchtigen die natürliche Reifung des Mikrobioms und des Immunsystems des Kindes, insbesondere in den ersten Lebensjahren.

Eine Perforation des Trommelfells muss von einem Arzt begleitet werden, heilt aber normalerweise ohne weitere Komplikationen.

Integrative Therapie

Elemente der integrativen Therapie:

Lokale Schmerztherapie

  • Zwiebelsäckchen am betroffenen Ohr

Entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkungen von Zwiebeln sind als Hausmittel gegen unkomplizierte Mittelohrentzündungen bekannt. Die Wirkung tritt schnell ein. Ein Versagen weist auf eine schwerere Entzündung hin. Eine Anleitung finden Sie unter http://www.pflege-vademecum.de/zsohr.php  

  • Reflektorische Stimulation der Haut durch Einlegen einer Knoblauchscheibe in den gegenüberliegenden Ellbogen für 1 – 2 Minuten 3 – 4 x täglich.

Entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkungen von Zwiebelgewächsen sind bekannt.

  • Aconit-Ohrentropfen WALA: 3 – 5 x täglich körperwarm in den Gehörgang tropfen, wenn das Trommelfell intakt ist. 


Maßnahmen zur Gewährleistung warmer Füße (wenn kein Fieber auftritt)

  • Ingwerfußbad speziell für Patienten mit kalten unteren Extremitäten.
    Eine Anleitung finden Sie unter http://www.pflege-vademecum.de/ingwerfussbad.php
  • Warme Fußbäder 1 – 2 x täglich mit Wasser oder 1%-iger Natriumchlorid-Lösung und ansteigender Temperatur (37 – 40°C) über 15 – 20 Minuten.
  • Öl, z. B. Solum Öl WALA oder Moor-Lavendel-Pflegeöl DR. HAUSCHKA oder Malvenöl WALA in milden Fällen den ganzen Körper einstreichen, insbesondere vor dem Schlafengehen.
  • Cuprum metallicum praeparatum D1 (0,4%) Salbe WELEDA oder Kupfer Salbe rot WALA: 1 – 2 x täglich auf die Fußsohlen (bei Kindern ab 1. Lebensjahr).

Pflege der Wärme ist wichtig. Vermeiden Sie kalten Luftstrom im Winter oder Klimaanlage im Sommer. Ergänzt wird dieser Ansatz durch liebevolle Pflege, gesunde Ernährung, angemessene Kleidung und verantwortungsbewusstes Fiebermanagement (siehe auch www.feverapp.de,   www.feverfriend.eu).  


Förderung der Belüftung des Mittelohrs (siehe unten)

  • Nasensprays mit physiologischer Kochsalzlösung oder ähnlichem.
  • Gencydo® 1% Nasenspray WELEDA (ähnlich wie Heuschnupfenspray WELEDA): 1 – 2 Hübe 3 x täglich wirkt abschwellend, insbesondere bei Adenoiden oder Allergien.


Experten empfehlen folgenden Heilmittel

Bei akuter Mittelohrentzündung erweist sich die häufige Verabreichung von Medikamenten zunächst als wirksam, bei starken Schmerzen zunächst bis zu 4x pro Stunde. Ein weithin bewährtes Grundmedikament für unkomplizierte Mittelohrentzündung:

  • Apis / Levisticum II Glob. velati WALA

Beginnen Sie mit 3 – 5 Kügelchen alle 15 – 30 Minuten; dann seltener, wenn sie einen Wirkungseintritt gezeigt haben. Schmerzlindernd und abschwellend für das Mittelohr; fördert die Belüftung des Mittelohrs.

Dies kann sinnvollerweise ergänzt werden mit

  • Silicea comp. Glob. velati WALA: 5 Globuli 3 x täglich

Enthält Quarz D21, Argentum nitricum D20 und Atropa Belladonna ex herba D14. Silicea comp. ist ein Grundmittel für akut-entzündliche Erkrankungen im Bereich der Nasennebenhöhlen und des Mittelohrs, insbesondere während der fortschreitenden Pneumatisierung der Nebenhöhlen.

  • Erysidoron® 1 WELEDA oder Apis / Belladonna Glob. velati WALA: zunächst alle zwei Stunden, dann seltener: 2 Tropfen (jünger als 2 Jahre), 3 – 5 Tropfen (2 bis 6 Jahre), 5 – 8 Tropfen (älter als 6 Jahre) oder 3 Globuli (jünger als 2 Jahre), 5 Globuli (2 bis 6 Jahre), 7 – 10 Globuli (älter als 6 Jahre).

Zäpfchen haben sich bei eher progressiven Formen von akuter oder wiederkehrender Otitis media, beeinträchtigtem Allgemeinzustand und konstitutioneller Schwäche des Immunsystems als wirksam erwiesen:

  • Echinacea / Mercurius comp. Zäpfchen WALA: 1 Zäpfchen für Kinder (unter 7 Jahre) 1 – 3 x täglich.

Für akute Otitis media mit zunehmenden Schmerzen am Abend und in der Nacht, Fieber, ausgeprägter Unruhe, insbesondere für Kleinkinder im Kinderalter, sind die folgenden geeignet:

  • Fieber- und Zahnungszäpfchen WELEDA: 1 Zäpfchen 1 – 3 x täglich für Kleinkinder. Für Säuglinge unter 12 Monate ohne Zulassung. Im ersten Lebensjahr, insb. bei Infektionen oder Anfälligkeit für Infektionen durch Zahnen. Breite positive Erfahrung mit dieser Altersgruppe. 


Otitis media mit Perforation des Trommelfells, fließendes Ohr:

  • Benötigt ärztliche Begleitung.

 

Neues aus der Forschung

Pilotstudie zur klinischen Wirkung von Schafgarbenleberkompressen 
Leberkompressen werden häufig in der integrativen Krebsbehandlung eingesetzt und sollen eine energetisierende Wirkung haben. In einer randomisierten Pilotstudie wurde der Einfluss von Schafgarbenleberkompressen auf das autonome Nervensystem untersucht, indem die Herzfrequenzvariabilität bei metastasierten Krebspatienten analysiert wurde, die sich einer Strahlentherapie unterzogen und an krebsbedingter Erschöpfung litten. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Anwendung in der Interventionsgruppe zu einer erhöhten Sympathikusaktivität während des Tages führte, während in der Kontrollgruppe, die keine äussere Anwendung erhielt, eine erhöhte Parasymapthikusaktivität beobachtet wurde. Die Studie ist frei zugänglich publiziert: 
https://doi.org/10.1177/15347354221081253


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